Kenia und Tansania sind für viele Urlauber vor allem Safari-Länder: Von einem Nationalpark zum anderen geht die Reise, immer auf der Jagd nach dem perfekten Big-Five-Schnappschuss. Auch wir haben schon viele Nationalparks im südlichen und östlichen Afrika befahren, unter schattigen Bäumen nach Löwen gesucht, ehrfürchtig Abstand von den riesigen Dickhäutern gehalten, gejubelt, wenn wir eines der seltenen Nashörner zu Gesicht bekamen und unzählige Impalas fotografiert.

Aber in diesem Jahr ist alles anders. Wir nehmen uns Zeit. Zeit für viele Tage an einem Ort, Zeit, dass es den Kindern mal so richtig langweilig wird, Zeit, um zu schreiben und zu lesen, zu schlafen und einfach mal nichts zu tun. Wobei das mit dem Nichtstun so eine Sache ist, wenn man Homeschooling macht und nebenbei der Verlag weiterläuft, aber dazu ein anderes Mal mehr. Fakt ist: Wir haben noch auf keiner unserer zahlreichen Afrikatrips so lange Zeiten am selben Ort verbracht wie dieses Mal, und ich kann sagen: Es ist durchaus zu empfehlen!

Ankommen in Nairobi

Nairobi ist unsere kürzeste Station. Wir haben hier Freunde, bei denen wir die ersten Tage verbringen. Es ist herrlich, dass es im Moment nicht zu heiß ist und wir uns im schattigen Haus und im Garten mit großen Bäumen langsam an das Klima gewöhnen können. Schließlich liegen die Temperaturunterschiede bei etwa 25 Grad – ein wenig anstrengend ist das schon. Auch die Kinder können hier langsam in die afrikanische Welt hineinfinden, denn nicht nur das Klima ist neu für sie. Auch die Sprache, die Gerüche und Geräusche, alles hat seinen eigenen, unverkennbaren Sound.

Nairobi ist nach wie vor vor allem eines: zugestaut. Wir müssen in den paar Tagen, die wir in der Stadt verbringen, zwei Mal mitten hindurch fahren und ich muss sagen, dass Nairobi ein Sky Train, wie es ihn in Bangkok gibt, gut zu Gesicht stehen würde. Viel zu viele Autos für viel zu wenige und schmale Straßen. Aber wie in Afrika üblich wird hier gleich wieder aus der Not eine Tugend gemacht. Ein Stau heißt für die einen Warten, für die anderen Business. Hier kann man seinen Einkauf direkt vom Auto aus erledigen oder zumindest die Wartezeit versüßen: mit gerösteten Erdnüssen, einer Zeitung und wer die Sonnenbrille zu Hause vergessen hat, kauft eine vom fliegenden Händler, der an der nächsten Ampel wartet und seine Waren feilbietet. Wer keine Lust auf Einkauf hat, schließt wohl eher die Fenster oder muss oft nein sagen können.

Nairobi Kenia

Für alle europäischen Shopping-Bedürfnisse vor einer langen Safari sei der Village Market empfohlen, in dem die weißen ExPats und die reichen Nairobianer rumhängen und in dem man wirklich alles bekommt, was das Herz begehrt – in süßen Geschäften, einem verwinkelten alten Teil und einem schicken neuen. Nairobi Downtown haben wir uns dieses Mal gespart – ganz im Sinne unseres Vorhabens, einen möglichst entspannten Urlaub zu verbringen.

Nach ein paar Tagen sind wir dann auch los. Den Norden Kenias haben wir dieses Mal ausgelassen, auch wenn der Nakuru National Park für mich einer der schönsten Kenias ist, denn er ist klein und trotzdem tierreich, so dass man nicht ewig fahren muss um etwas zu sehen, außerdem gibt es dort Flamingos. Auch der Hellsgate Park in Naivasha ist schön – wer nach Norden fahren will, ist sicher mit einer Route über diese beiden Orte gut beraten.

Uns zieht es allerdings zur Küste. Das Problem, vor dem jeder steht, der von Nairobi in Richtung Meer fahren will, ist genauso alt wie der Stau in der Hauptstadt: Wie bewältigt man die Strecke, ohne von einem LKW in den Straßengraben gedrängt zu werden oder bei einem der halsbrecherischen Überholmanöver der Matatus draufzugehen, ohne selbst die Strecke mit 30 km/h hinter einem LKW herzuschleichen? Will sagen: Die Schnellstraße, die von Nairobi nach Mombassa führt, ist eine der am meisten befahrenen Straßen dieser Region. Alles, was irgendwie vom Inland zum Hafen will, fährt hier entlang. Und das sind nun einmal sehr viele LKWs. Aktuell (Dezember 2018) ist die Straße aber zumindest gut in Schuss. Schlaglöcher sucht man vergebens, es gibt sogar ein, zwei Abschnitte, die dreispurig sind. Aber die Strecke ist nach wie vor eine Herausforderung, ständig will man überholen, muss aufpassen, dass der Gegenverkehr nicht zu schnell ist, der Hintermann nicht gerade schon an einem vorbeizieht und einen die LKWs auch dazwischen lassen, wenn man wieder einscheren muss. Naja, und mit unserem Lefthanddrive ist das auch nicht gerade einfacher, aber das ist natürlich unser ureigenes Problem.

Nairobi to Mombassa

Viele versuchen, Nebenstraßen zu nehmen. Es gibt auch einige kleinere Routen, die man nutzen kann, um die Hauptstraße zu vermeiden, sie sind aber zeitintensiv, viel länger und führen meist durch unwegbares Gelände. Bei Machakos gibt es eine solche Möglichkeit, sie führt durch gebirgiges Gebiet, bei Emali stößt man wieder auf die Hauptstraße. Man sollte mit mindestens 2-3 Stunden rechnen, ob sich der Umweg lohnt, muss jeder für sich selbst beurteilen. Die Landschaft ist allerdings sehr schön und das Fahren entspannt – aber wohl nur mit 4×4.

Der Sikh-Tempel auf dem Weg zur Küste

Eine Übernachtungsempfehlung auf der Straße ist der Sikh Tempel in Makindu. Er liegt direkt an der Straße, allerdings in einem großzügigen Gelände, dessen Bäume den Straßenlärm schlucken. Wie eine kleine Oase inmitten der Hektik breitet sich die Tempelanlage mit weiten Gärten im hinteren Bereich aus. Die religiösen Räumlichkeiten und die Unterkunft sind so voneinander getrennt, dass man nicht an den Zeremonien teilnehmen muss, wenn man nicht möchte. Es gibt eine Art Mensa, in der man Frühstück bekommt: Chapatis mit Linsen und Kürbis sowie viele Früchte und ein paar Plätzchen sowie Chaitee – das gab es, als wir da waren. Es soll auch abends Essen geben, allerdings habe ich das nicht ausprobiert. Die Zimmer sind sauber, geräumig, mit eigenem Bad und nahezu mückenfrei. Es gibt keine Moskitonetze, daher sollte man Mückenspray mit ins Zimmer nehmen. Es ist nicht erlaubt zu campen und auch nicht angebracht, dort sein eigenes Essen auf dem Hof zuzubereiten – ihr werdet auch sehen, dass das nicht zum Ort passt. Wir haben uns jedoch am Abend etwas zu essen mit auf unser Zimmer genommen. Wenn ihr vorher eine Tasche packen wollt, kann ich euch folgendes empfehlen:

Mückenspray, eigene Laken zum Zudecken wenn ihr nicht die vom Tempel nutzen wollt, wenn notwendig Schlafsachen, Zahnbürste und Duschzeug (Handtücher gibt es), ggf. eine Flasche Wasser.

Für die Ladies: Wenn ihr an den Zeremonien teilnehmen wollt, tragt etwas, was über Knie und Schultern geht und fragt, ob ihr eine Kopfbedeckung braucht. Zum Essen brauchen alle eine, auch Mann und Kind, diese werden aber in Form von kleinen Tüchern am Eingang der Mensa bereitgestellt. Man trägt sie nur während des Mensabesuchs und legt sie nach dem Essen wieder zurück. Es gibt eine sehr freundliche Dame, die euch alle Fragen gerne beantwortet, auch die Rezeptionisten sind sehr freundlich. Ihr bezahlt mit einer Spende.

Sikh Tempel

Die Sangala Lodge bei Voi

Die Weiterfahrt ging bei uns bis Voi zur Sangala Lodge. Eigentlich wollten wir nur einen Tag bleiben, am Ende wurde fast eine ganze Woche daraus. Der Platz ist einfach viel zu schön, um einfach schnöde wieder abzureisen. Wir haben Weihnachten dort verbracht und hatten eine wunderbare Zeit.

Das Schönste zuerst: Es gibt einen großen Pool. Eigentlich reicht das schon, um zu erklären, warum wir so lange geblieben sind, für mich gibt es nichts Schöneres, als den Tag mit einer Runde Schwimmen zu beginnen und für die Kids ist ein Pool sowieso der perfekte Spielplatz. Aber die Sangala Lodge, in der man übrigens Campen sowie in kleinen Chalets wohnen kann und die über ein großes Restaurant unter einem mächtigen Makuttidach verfügt und deren Mitarbeiter wirklich ausgesprochen aufmerksam und nett sind, bietet noch viel mehr Abwechslung. Auf dem Gelände gibt es zunächst einmal eine Menge unterschiedlicher Vogelarten. Da die Lodge direkt neben dem Tsavo National Park liegt und sich Tiere bekanntlich nicht um Grenzzäune von Parks scheren, kann man hier Hornbills, eine Kakduart und zwei verschiedene Webervogelarten beobachten. Sie machen schon morgens einen Höllenlärm und haben unsere Tochter fast zur Weißglut gebracht – obwohl sie die Tierliebste in unserer Familie ist. Wir hatten das Glück, direkt unter einem Baum mit einigen Webervögelnestern zu stehen und haben vom Dachzelt aus dabei zugeschaut, wie geschickt das Männchen Gräser kunstvoll zu einem runden, hübschen Nest flechtet. Erstaunlich, wie virtuos sie das machen!

Des Weiteren kann man hier mit Devan, dem Tourguide, Spaziergänge und Wanderungen unternehmen. Er führt auf die nahgelegenen Berge, durch den Park, aber auch sehr kindgerecht zum nächsten Wasserloch, an dem man mit Glück Elefanten beobachten kann. Wir hatten kein Glück, aber trotzdem war der Spaziergang ein Erlebnis, denn Devan kennt nicht nur die großen, sondern ganz besonders auch die kleinen Lebewesen der Umgebung und kann detailreich und spannend erklären, wer in welchem Unterschlupf wohnt, an dem wir unwissend vorbeigelaufen wären. Eine großartige Tour, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen möchte.

Sangala Lodge
Sangala Lodge

Aber irgendwann ist auch die schönste Zeit zu Ende und dann war es für uns Zeit, aufzubrechen. Wir sind durch die Shimba Hills gefahren, um die Fähre zu vermeiden, zeitlich nimmt es sich wohl nichts. Die Straße ist zur Hälfte fertig, aber auch das unbefestigte Stück ist nicht sehr schlecht. Und dann sind wir endlich dort angekommen, worauf ich mich immer am meisten gefreut habe, wenn ich in Berlin an unsere Zeit in Afrika gedacht habe: Tiwi Beach, Twiga Lodge & Campsite. Hier waren wir vor 11 Jahren schon einmal gemeinsam, damals noch ohne Kids und was soll ich sagen: Es sieht genauso aus wie damals, nur mit Wifi!

Tiwi Beach Kenia

Twiga Lodge & Campsite in Tiwi Beach

Blauer Himmel, blaues Meer, langer Strand, Campingplatz direkt am Meer. Tagsüber kommen ständig irgendwelche Verkäufer vorbei, die einen mit Fisch, die nächsten mit Gemüse und Obst, einer hat sich auf das Fischen von Oktopus spezialisiert, es gibt einen alten Mzee, der aus Kokosnüssen lustige Affen schnitzt, wieder andere bieten Tücher und Kleidung an. Der Campingplatz ist über Weihnachten und Neujahr, der letzte Teil der hiesigen Sommerferien, komplett belegt. Familien mit Kindern, ältere Pärchen, Sextouristen mit ihrem Schatz, Motorradfahrergruppen und Overlander und ein paar schräge Vögel, die hier zum Teil seit Jahren wohnen, ergeben eine illustre Mischung. Man kann sich hier sehr wohl fühlen und eine entspannte Zeit verbringen.

Eine kleine Warnung muss ich aber doch aussprechen: Wer allein am Strand entlang bis weit in die Felsen links von Tiwi Beach entlangläuft, muss mit Überfällen rechnen – ist uns leider passiert. Die Sache ging glimpflich aus, war aber dennoch sehr schockierend und blöd. Auch in die andere Richtung sollte man niemals mit sichtbaren Wertgegenständen wie Kameras usw. entlanglaufen. Auch dort wurden Leute überfallen. Die Besitzer der Lodge haben sofort die Polizei gerufen, aber inwieweit das hilft, kann ich nicht sagen. Zumindest war man hier sehr bemüht, denn das ist natürlich keine gute Werbung. Ich persönlich fühle mich hier aber weiterhin sicher, denn ich bin davon überzeugt, dass der Campsite ein sicherer Ort ist.

In ein paar Tagen fahren wir weiter nach Tansania. Ich freue mich sehr darauf, diese Route haben wir auch vor 11 Jahren genommen. Die Grenze in Tanga wird wieder eine Herausforderung sein, wir nutzen ein Carnet de Passage für unser Auto, ich bin gespannt, was uns erwartet.

Tiwi Beach