Wer hier eine Liste der populären Nationalparks wie Ngorogoro oder Serengeti erwartet, den muss ich leider enttäuschen: wir haben auf unserer Reise durch Tansania im Januar 2019 lediglich einen kleineren Park besucht, später mehr dazu. Wer ein paar Tipps für Individualtouristen lesen möchte, der ist hier richtig.

Ein paar Worte vorweg: Wir haben schon viele Reisen im südlichen Afrika gemacht, mit und ohne Kids. Der Durst nach Big-Five-Safaris war daher schon gedeckt. Weiterhin haben wir auf dieser Reise, die uns 2 Monate lang durch Kenia und Tansania geführt hat, eine lange Zeit am Tiwi Beach verbracht. Dieser Strand, südlich von Mombassa gelegen, ist so herrlich, günstig und bequem, dass er schwer zu toppen ist – wir hatten unsere Portion Beach Life also auch schon intus, als wir über die Grenze nach Tanga fuhren. Aber was in Tansania tun, wenn Beach und Safari nicht auf dem Zettel stehen? Ich muss zugeben, ich war auch erst einmal ratlos. Aber dann ist uns doch einiges eingefallen.

Empfehlung Nummer 1: Die Kühle der Berge genießen

Besonders, wenn man schon länger in der Region unterwegs ist, tut ein kühler Aufenthalt in den Bergen gut. Nicht umsonst haben die deutschen Kolonialisten anno dazumal ihre Sommerfrische in den Bergen verbracht – für europäische Gemüter ist das einfach ein angenehmes Klima. Zwar wird es tagsüber auch heiß, aber es weht ein trockeneres Lüftchen als am Meer. Des Nachts ist es recht kühl, so dass sich der Körper von den heißen Tagestemperaturen erholen kann. Ohne entsprechend warme Kleidung kann es allerdings ganz schön frisch werden. Wenn ihr also mit dem Gedanken spielt, in die Berge zu fahren, empfehle ich euch mindestens 1 warmen Pulli plus Regenjacke sowie eine nicht zu leichte Hose und Socken. Feste Schuhe sind natürlich ebenso angesagt, denn wenn man schon in den Bergen ist, will man ja auch etwas sehen und wandern gehen – wir zumindest.

Nun gibt es in Tansania ja die Qual der Wahl, was Berge angeht: der Kilimandscharo, der Mount Meru und die Usambaraberge sind nur drei der bekannteren Berge, die ihr ansteuern könnt. Wir haben uns für die Usambaraberge entschieden. Sie umwehte so eine Art von sehnsuchtsvoller Romantik, dass ich sie einfach mal sehen wollte.

Praktisches: Hier kann man zunächst Lushoto als zentrales, kleines Städtchen ansteuern und von dort aus Touren unternehmen, weiter in Lodges und Campsites fahren oder bis ganz rauf den Mambo View Point erklimmen, der noch einmal 1,5 Stunden Weiterfahrt bei größtenteils gerade erneuerter Straße bedeutet (Bitte beachten: Eure Navis schlagen euch eventuell die alte, schlechte Straße vor, fragt im Ort nach der neuen Straße, die ist in gutem Zustand Stand Januar 2019).

Usambaraberge

Meine Lieblings-Locations:

Irente Farm: Nicht zu verwechseln mit Irente View Point, einem poshen Hotel mit angeschlossenem View Point, für den man eine Gebühr zahlt und von Tour Guides belagert wird, die ein Geschäft wittern. Irente Farm ist ein hübsches kleines Farmhouse mit Campingplatz, Dusche & WC im Makutti Hut und sehr netten Leuten. Zum Lunch isst man dicke Scheiben des frisch gebackenen Vollkornbrots mit Ziegenkäse und Papaya – ein Gedicht nach den Weißbrotbergen der letzten Wochen! Im kleinen Shop kann man sowohl das Brot wie auch Käse erwerben und ist damit erst einmal wieder kulinarisch versöhnt. Von der Farm aus kann man runter ins Dorf laufen, wenn man sich rechts hält, kommt man an einer Secondary School vorbei. Dort geradeaus weiter in den Wald hinein und den Berg hinauf zweigt irgendwann rechts ein kleiner Pfad ins Unterholz ab und führt euch zu einer bombastischen Aussicht über das Tal – wer noch ein Stück weiterläuft, kommt zu einer Hausruine, bei der nicht ganz klar ist ob sie gerade verfällt oder auf ihren Weiterbau wartet. Die Aussicht ist auf jeden Fall auch hier unglaublich.

Irente Farm Usambaraberge

Muellers Lodge: Die Muellers sprechen seit langem kein Deutsch mehr, zu viele Generationen sind vergangen, seitdem sie auswanderten. Der Name ist erhalten geblieben. Wir haben hier auch gecampt, man kann aber auch sehr schön in den Chalets wohnen oder sich im Haupthaus in einem Zimmer einmieten. Dort klackert lustig das lose Parkett, es gibt ein helles Restaurant und eine Art Bibliothek oder Raucherzimmer, die Bücher im Regal sind wunderbar verstaubt und altmodisch. Ob das Essen gut ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber eins ist es mit Sicherheit: Vielfältig, wie ein Spaziergang durch den Obst- und Gemüsegarten vermuten lässt. Hier wird alles angebaut, was das Herz begehrt, von italienischen Kräutern über Erdbeeren bis zu den hiesigen sauren Tomaten. Das Tollste für die Kinder sind jedoch die Chamäleons! Sie hängen in den Büschen, wandern über den Rasen oder sitzen im Blumenbeet. Wenn man sie entdeckt, kann man sie hochnehmen und schauen, ob sie auf dem roten T-Shirt ihre Farbe verändern – ein absolutes Highlight für unsere Kids!

Müllers Lodge Usambaraberge

Mambo View Point Ecco Lodge: Ja, es ist ein weiter Weg hinauf zu Hermanns Ecco Lodge, aber ein lohnenswerter. Die schönste Aussicht hat man definitiv hier, es gibt das beste Essen und am Abend, wenn alle Gäste mit dem Gastgeber um den großen Tisch sitzen, entspinnen sich die nettesten Gespräche. Hermann hat ein großartiges Team um sich versammelt und verfolgt ganz nebenbei unzählige Projekte in Mambo und Umgebung. Brunnen bauen, Schulen unterstützen, Straßen herrichten, dazu mit den hiesigen Lodgebetreibern gemeinsam dafür kämpfen, dass sich die Region entwickelt – man wünscht sich, er möge ewig leben. Dazu kommen die vielen Möglichkeiten, die sich hier an Ausflügen bieten und die er mit seinem Team organisiert. So hat er Joseph, der uns auf unseren Wanderungen durch die Dörfer, dem Schulbesuch und einem Hike in die Berge zu einem Wasserfall begleitet, selbst ausgebildet und ihn für ein halbes Jahr nach Deutschland geschickt. Aber, so betont Hermann, Joseph hat auch selbst eine Menge an Wissen über Flora und Fauna mitgebracht, das er uns auf unseren Ausflügen vermittelt. Es gibt hier ein oder zwei Campingplätze, viel Comfort, Chalets unterschiedlicher Größe mit einer Mega-Aussicht und ganz viel Herzlichkeit – ein absoluter Geheimtipp!

Mambo View Point Ecco Lodge Usambaraberge

Empfehlung Nummer 2: Stadtluft – aber bitte in klein!

Eigentlich sind wir in Afrika immer möglichst weit weg von Städten. Ist man mit dem vollgepackten Geländewagen unterwegs, bedeuten Städte immer Unsicherheit: Bricht jemand ein? Haben wir alles abgeschlossen? Als Weißer fällt man ohnehin total auf, das macht es nicht einfacher. Aber in Tansania gibt es ein paar kleine Städtchen, die wir so hübsch fanden, dass wir uns doch mal für eine Nacht oder länger eingemietet haben.

Meine Lieblings-Städtchen:

Lushoto in den Usambarabergen: Ich habe es ja schon erwähnt, Lushoto ist die zentrale Stadt in den Bergen. Wenn man nicht in die Lodges fahren will, kann man gut in der Stadt bleiben und von dort Ausflüge unternehmen – oder einfach mal nix machen und dem Treiben auf der Straße zusehen, so wie wir. Der beste Ort dafür ist das Tumaini Hostel. Es liegt an der Hauptstraße und ist eine kirchliche Einrichtung – kein Alkohol und keine Zigaretten, sorry! Dafür aber leckeres Essen, günstige Preise und saubere Zimmer, nur um das Wasser muss man sich manchmal kümmern. Eine kurze Anfrage beim Personal genügt aber meist, und aus der Dusche sprudelt es wieder in heiß und kalt. Das Netteste ist sowieso die Außenterrasse an der Straße, auf der sich bei einem Kaffee herrlich das städtische Treiben beobachten lässt, ohne dass man selbst die ganze Zeit angestarrt wird. Auch ein Besuch auf dem Markt ist empfehlenswert, aber Achtung: Mzungu-Preise! Will sagen, dass für Touristen gerne mal die doppelten Preise aufgerufen werden, hier müsst ihr handeln, andere Käufer fragen oder mit den Schultern zucken – je nach Temperament, Ehrgeiz und Geldbeutel. Richtige Supermärkte, wie wir sie gewöhnt sind, gibt es hier nicht. Frisches kauft man auf dem Markt, Dosen, Schokolade und Getränke in einem kleinen Duka, Brot und Bier extra. Aber ist man erst einmal eine Zeit lang dort, kennt man sich aus – die Leute sind auf jeden Fall recht freundlich. Wer mal wieder einen Japp auf italienisches Essen hat, sollte Mamma Mia ausprobieren! Nicht ganz günstig, aber jeden Penny wert!

Lushoto_Usambaraberge

Tanga: Wer von Kenia über die Grenze fährt, kommt hier unweigerlich vorbei. Und ich muss sagen, ein Aufenthalt lohnt durchaus. An der Küste gibt es hübsche Unterkünfte, in der Innenstadt hat eine skandinavische Partnerstadt einen schönen Park angelegt und nebenan gibt es an mehreren Ständen leckere Snacks zu fairen Preisen – besonders der Fruit Platter ist absolut empfehlenswert! Ein Spaziergang durch das Städtchen lohnt sich ebenso. Eine Übernachtungsempfehlung habe ich hier nicht, wir waren mit unserem Campsite nicht zufrieden.

Tanga

Moshi und Arusha: Hierzu muss ich wohl nicht viel sagen, denn alle Touristen kommen hier ohnehin an. Mein Tipp ist aber: Geht raus und sucht euch irgendwo ein nettes kleines Restaurant, von dessen Outdoor-Tischen ihr dem Stadttreiben zuschauen könnt. Die Hideaways für die Touristen haben zwar die altbekannten Brownies, Latte Macchiatos und Pizzas, sind aber auch langweilig.

Moshi

Empfehlung Nummer 3: Sehenswürdigkeiten off the beaten track oder: die Schmalspurvariante wählen

Wer in der letzten Zeit als Individualtourist in Tansania war, weiß wahrscheinlich schon, was jetzt kommt: das Kopfschütteln über die Preise. Grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass die Nationalparks aufgrund ihrer Einzigartigkeit einen gewissen Preis haben dürfen, denn wo sonst als im südlichen Afrika kann man die faszinierende Tierwelt bestaunen, die es hier gibt? Eben, nirgends. Dennoch ist es augenscheinlich, dass Tansania ein völlig anderes Preiskonzept fährt als bspw. Kenia oder, noch krasser, Südafrika. Für einen Besuch im Ngorogoro-Krater sind wir als Familie mit 590 € dabei, morgens rein, abends raus. Zum Vergleich: Der Krugerpark in Südafrika würde uns etwa 40 € kosten, das ist noch nicht mal ein Zehntel. Will man sogar mehrere Parks besuchen, greift man hier in Tansania ganz schön tief in die Tasche. Dazu kommt, dass alles, was irgendwie mit Tourismus zu tun hat, wahnsinnig teuer ist. Touren, Unterkünfte, Restaurants – überall habe ich den Eindruck, ich zahle einen Fantasiepreis, der nichts damit zu tun hat, was das Produkt oder die Dienstleistung wert ist, die ich erwerbe. Leider gibt es auch nichts dazwischen. Hier scheint die Meinung vorzuherrschen: Weiße – oder allgemeiner Touristen – zahlen absolut jeden Preis, den man aufruft. Mittelpreisige Angebote gibt es nicht oder nur selten. Die nächste Kategorie ist dann das, was sich auch Afrikaner leisten können und nicht in Dollar ausgewiesen ist – und das ist dann auch das, was wir ansteuern. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir essen afrikanische Gerichte, wohnen in von Afrikanern geführten Hotels und bekommen Kontakt zu anderen Besuchern, die ausnahmsweise mal nicht aus dem westlichen oder fernöstlichen Ausland stammen. Auch das ein großer Unterschied zu Kenia: Während man dort auf viele einheimische Touristen trifft, die am Wochenende oder in den Schulferien in den touristischen Orten unterwegs sind und es sich ebenfalls gut gehen lassen, ist Tourismus in Tansania immer noch eine rein weiße Angelegenheit, heute ergänzt durch die fernöstlichen Touristen wie beispielsweise aus China. Dieser Tourismus findet hinter den Mauern der Lodges, den Scheiben der Safariautos und an den Ressorts am Meer statt und begegnet kaum der hiesigen Bevölkerung. Weicht man davon ab, ist man schnell der bunte Hund, insbesondere auf dem Land. Das muss man mögen und Spaß daran haben.

Unser Fazit nach dieser Erkenntnis war zumindest, dass wir versucht haben, die günstigeren Alternativen auszuwählen.

Dazu gehörte für uns auch, den Mkumazi Park anzusteuern, der auf dem Weg von den Usambarabergen in Richtung Moshi / Arusha liegt, und an dem die meisten vorbeifahren. Hier sind wir zwar mit allem drum und dran auch mit 140 $ dabei, aber sei es drum. Dafür sehen wir die größte Giraffenpopulation, die ich je auf einmal bestaunen durfte. Sie hielten sich an einem Damm auf, der sich im linken Teil des Parks befindet. Wirklich ein beindruckendes Erlebnis, ich empfehle euch auch, die verschiedenen Picknickplätze des Parks anzusteuern, von denen aus man eine schöne Aussicht hat.

Giraffen

Noch ein Tipp in der Nähe des Ngorogoro: Gibbs Farm. Normalerweise zahlt man für Gibbs Farm allein für das Lunch pro Person 25$. Okay, das kann man ruhig mal machen, schließlich ist ein gutes Brunch in Deutschland auch nicht günstiger. Und man bekommt bei Gibbs echt etwas geboten: Ein fantastisches Lunchbuffet, alles frisch aus dem Garten, nach ökologischen Gesichtspunkten angebaut bzw. aufgezogen, wie wir bei unserer Führung durch die Farm lernen: Den Hühnern, Schweinen und Ziegen geht es hier echt gut, so stellen wir uns in Berlin immer ökologische Landwirtschaft vor. Die Farm wird nur für die Versorgung der Lodge betrieben, diese lässt sich den Aufwand natürlich bezahlen. Aber wir haben eine tolle Sparfuchs-Variante gefunden: Statt Lunch machen wir nur die Führung für 10 $ pro Person (Kids die Hälfte) und genießen danach den Kaffee mit Gebäck im schönen Garten – herrlich! Unser Tipp also: Ruhig mal die teuren Luxusunterkünfte anschauen, oftmals haben sie schöne Angebote für Day-Visitors, die nicht so teuer sind und trotzdem kann man die herrlichen Anlagen genießen.

Hier noch ein paar Empfehlungen für Unterkünfte, die mir gefallen haben:

Arusha: Raha Leo – einfach aber herzlich, hübsch, Bad im Zimmer, ruhige Nacht verbracht.

Essen bei Khans Barbeque wird vom Hotel empfohlen – zu Recht, leckeres indisches Grillfleisch mit tollen Salaten, Samosas und Naan

Peponis an der Küste kurz hinter Tanga: Superschönes Beachressort, das zum Campen genauso einlädt wie zum Relaxen in den schönen Hütten. Das Essen ist klasse und die vielen Chill-Out-Spaces ebenso – super für den Start in der Hitze Afrikas!

Peponis