Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind im Moment in aller Munde. Die EU beschließt das Verbot von Einwegplastik, in Skandinavien ist Fliegen nicht mehr en Vogue und unsere Kinder gehen zu den fridays for future Demos. Und was machen wir, die Eltern? Verändern wir unseren Lebenswandel? Klopfen wir wirklich unseren Alltag darauf ab, ob wir klimafreundlich agieren? Und wie geht das überhaupt? Das habe ich mich gefragt und daher eine kleine Serie gestartet: Jeden zweiten Mittwoch gibt es bei World for kids einen Beitrag dazu – und zur Erholung in den Wochen dazwischen eine Buchverlosung mit vielen tollen Reisetiteln!

Wo fängt man an? Am besten bei sich selbst!

Auch wenn der Hype um Greta Thunberg manche langsam nervt – bei mir hat das Thema etwas ausgelöst. Zum Beispiel die Frage danach, ob ich selbst auch genug tue, um meine persönliche Klimabilanz zu verbessern. Auch Frank Herrmann, der in unserem Ratgeber „Reisen mit Kindern“ das Kapitel zu nachhaltigem Reisen beigesteuert hat, hat mit seinem Text bei mir einen Denkprozess angestoßen. Ich persönlich halte nichts davon, nun erst mal nach der großen Politik zu rufen. Dass Fliegen nicht gut fürs Klima ist, wissen wir alle, dass Berge von Müll eine Menge Energie verbrauchen, um ihn zu vernichten, ebenso, und dass unsere Meere voller Plastik sind, sollte nun auch jeder mitbekommen haben. Warum also auf Gesetze warten, wenn ich doch selbst schon viel tun kann, um aktiv zu werden?

Also mache ich erst einmal eine Bestandsaufnahme. Hier ein paar Beispiele für meine ganz persönliche Klimabilanz – und auch einige Ratlosigkeiten:

Plastikmüll überall – brauchen wir das alles?

Kennt ihr das auch? Ein Einkauf im Supermarkt, und schon nach dem Einräumen der Lebensmittel in Kühl- und Küchenschrank ist die Tonne für den Plastikmüll bereits halb voll. 3 Orangen im Netz, Zucchini in der Plastikschale, wenigstens die Biogurke kauft man nun bald nicht mehr in einer Plastikhaut. Aber dennoch ärgert es mich: Warum muss der ganze Kram verpackt sein? Also auf zum Markt. Dort bekomme ich mein Obst und Gemüse zumindest einzeln. Aber auch nicht immer: Die Tomaten verschwinden in einer Papiertüte – ansonsten würden sie den Transport nach Hause nicht überstehen. Aber die Papiertüte landet zu Hause dann auch im Müll. Ist das so viel besser? Okay, das Argument mit dem Altpapier kann ich noch gelten lassen, aber es bleibt doch die Erkenntnis, dass ich auch hier wieder Müll erzeugt habe. Immerhin etwas „verträglicheren“ Müll – aber es bleibt eben doch, was es ist: Einmal benutzt, weggeschmissen.

Wer Kinder hat und selbst einen süßen Zahn, kennt auch dieses Dilemma: Süßigkeiten sind meist doppelt und dreifach verpackt. Jedes einzelne Schokohäppchen kommt in einer einzelnen Verpackung daher, alle zusammen in einem Plastikbeutel. Einmal Kinderbesuch, und schön quillt der Mülleimer über. Doof. Da hilft nur: Kuchen backen, Grießbrei kochen, Schokoladentafel klein brechen für Eilige – beim Einkaufen schaue ich nun darauf, dass die Schmankerl nicht noch mal einzeln verpackt sind. Dann fällt eine ganze Menge weg, was ich noch bis vor Kurzem bedenkenlos gekauft habe. Aber immerhin schaue ich drauf, der Plastikmüll wird etwas weniger.

Aber oft ist es nicht nur der Verpackungsmüll, der die Tonne füllt, sondern leider zu häufig auch alt gewordene oder nicht verbrauchte Lebensmittel. Vor unserer letzten langen Reise habe ich es tatsächlich fast geschafft, die Lebensmittel, die ich noch in den Schränken hatte, komplett aufzubrauchen. Trockene Dinge wie Nudeln, Reis, Bohnen und Linsen haben meine Kreativität herausgefordert, Nüsse wanderten in den Salat, Pasten und Cremes aufs Brot. Alles, was noch übrig war, habe ich verschenkt. Alles war leer, herrlich. Nun sind wir wieder da – und die Schränke sind wieder voll. Aber ich mache es ab sofort so wie die Autorin des tollen Buches „Zero Waste Küche“, Sophia Hoffmann: Alle paar Monate brauche ich alles auf, was sich in den Küchenschränken so findet. Damit nichts weggeworfen werden muss, nichts alt wird und ich das gute Gefühl habe: Das habe ich nicht umsonst gekauft, sondern es hat seinen Zweck erfüllt.

Veggie days – das auch noch?

Bleiben wir noch einen Moment in der Küche. Ich persönlich esse gern Fleisch. Meine Kinder selektieren da eher, jeder hat seine Lieblingswurst, Fleisch essen sie nur wenig. Mein Mann steht dem Konsum von Fleisch am kritischsten gegenüber. Nun waren wir im Winter längere Zeit in Kenia und Tansania. Dort kennt man so etwas wie Aufschnitt nicht. In gut sortierten Supermächten in Kenia kann man mal das ein oder andere kaufen, zahlt aber einen horrenden Preis dafür. In Tansania war es dann ganz Essig mit Fleisch. Wir haben nur wenige Male in Restaurants welches gegessen, da wir aber vorwiegend gecampt haben, ging unser Fleischkonsum recht bald gen null.

Und ich muss sagen, ich habe mich viel besser gefühlt! Ich hatte allerdings auch viel öfter und schneller wieder Hunger, was aber auch an dem wenig gehaltvollen Brot gelegen haben mag. Wie dem auch sei – Tomaten aufs Brot und viele Eier haben uns satt gemacht. Kaum wieder zu Hause angekommen, ist unser Vorsatz, es einmal mit einer wenigstens überwiegend vegetarischen Küche zu versuchen, gescheitert. Woran liegt es? Das verlockende Angebot, die alten Routinen, Faulheit – wahrscheinlich alles zusammen. Immerhin: Wir essen weniger Fleisch, suchen uns genau aus, was es sein soll, kaufen Fleisch nur für eine Mahlzeit ein, bevorzugen vorwiegend helle Varianten, kaufen Bio. Geben lieber etwas mehr für weniger auf und konsumieren auch weniger. Da ist noch viel Luft nach oben – aber wir arbeiten dran!

Mobilität und Reisen – die Gretchenfrage

Reisen interessiert euch alle – sonst wärt ihr nicht bei World for kids. Und gerade das Reisen kann über die Höhe der CO2-Bilanz entscheiden. Wäre ich in den letzten Jahren gar nicht geflogen, hätte ich einen super Wert! Bin ich aber. Immerhin nur zwei Mal im letzten Jahr: Nach Mallorca (für Mallorca for kids) und nach Afrika. Dort sind wir sehr lange geblieben, insofern müssen wir uns nicht damit grämen, auf eine Stippvisite in den Flieger gestiegen zu sein. Klar, für jemanden wie mich, der Flugangst hat, ist es relativ einfach, auf das Fliegen zu verzichten. Mir würde im Traum nicht einfallen, für einen Trip von Berlin nach München in ein Flugzeug zu steigen. Selbst wenn ich nach Paris wollte, würde ich nach einem Nachtzug suchen.

Es gibt natürlich sehr viele Menschen, die beruflich viel reisen. Im letzten IT-Projekt, für das ich gearbeitet habe, stiegen viele Berater wöchentlich in den Flieger. Würde man die CO2-Emissionen eines solchen Projekts mal auf die Kosten aufschlagen – da würde so manche Budgetplanung den Bach runter gehen.

Aber bleiben wir beim privaten Reisen: Ich persönlich versuche, eine gute Mischung hinzukriegen. Wir reisen mal mit dem Flugzeug an, dann wieder mit dem Auto. Bleiben wir so halbwegs in der Nähe, also innerhalb Deutschlands oder auch etwas darüber hinaus, nehmen wir häufig den Zug. Kurzreisen für wenige Tage, bei denen wir fliegen müssten, machen wir gar nicht. Mir persönlich fällt es leicht, hier Emissionen einzusparen. Da hat sicher jede und jeder seine eigenen Schwerpunkte. Dafür nutze ich für viele Strecken das Auto, wofür andere das Fahrrad nehmen. Das ist meine Achillesverse: Öffentlicher Nahverkehr ist mir ein Graus, Fahrradfahren in der Innenstadt halte ich für Harakiri. Immerhin fahre ich mit Autogas – das stößt wenigstens zum Großteil weniger Schadstoffe aus als ein Benziner oder Diesel. Nobody is perfect.

Und nun das heikelste Thema: Bücher!

Neulich saß ich vor meinem Bücherregal und dachte: Die wirst du alle nie wieder lesen in deinem Leben. Sie werden bis ans Ende deiner Tage vor sich hinstauben und dann werden sich deine Kinder mit der Entsorgung mühen müssen. Okay zugegeben, so alt bin ich noch nicht, dass das Thema akut wäre, aber dennoch: Gerade als Verlegerin mache ich mir natürlich oft Gedanken über das Thema Ebook. Dabei differenziere ich natürlich. Unsere Reiseführer für Kinder mit ihren Malseiten und Spielen sind nix für ein Ebook. Dann schon eher für eine App – aber wer kann das bezahlen? Daher bleibt es an der Stelle, wie es ist: Die Kinderreiseführer erscheinen in Buchform. Auch der Ratgeber „Reisen mit Kindern“ hat ja seine Daseinsberechtigung im Buch: Schließlich ist hier all das Wissen der Reiseblogger kompakt zusammengefasst, was man sich mit viel Mühe im Netz zusammenklauben müsste. Auch hier stellt sich dann die Frage: Ist das als Ebook attraktiv?

Aber wenn ich an mich als Leserin denke, muss ich sagen: Ich lese gern mal ein Ebook. Zwar habe ich das Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, die schöne Papierauswahl und die Covergestaltung zu bewundern, das Rascheln der Seiten zu hören, gern. Aber ich schätze es auch, wenn ich abends kein zusätzliches Licht mehr brauche, weil mein Ebook-Reader selbst leuchtet, wenn ich bergeweise Bücher mit in den Urlaub nehmen kann, aber trotzdem nur ein paar hundert Gramm tragen muss, oder Sonntagabend die nächste Folge der Krimireihe anfangen will und sie nach einer Minute auf meinem Reader heruntergeladen ist. Und dann steht natürlich auch noch die Frage nach den verstaubten Sammlungen in meinem Bücherschrank im Raum: Ist das nicht alles auch irgendwie zu viel? Ja klar ist es das. Aber wer kann schon Bücher wegwerfen?

Fazit:

Am Ende meiner persönlichen Klimabilanz muss ich feststellen, dass ich zwar schon an der ein oder anderen Stelle etwas tue, aber meine eigene Bequemlichkeit dem konsequenten klimafreundlichen Handeln oftmals im Weg steht. Was ich aber merke ist, dass ich mir bei vielen Alltagssituationen mittlerweile die Frage stelle, ob das, was ich tue, Sinn macht – nicht nur für mich, sondern auch für das Klima und den Umweltschutz. Das ist doch schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Oder was meint ihr?

Weiter geht es nächste Woche mit einer tollen Buchverlosung, eine Woche später findet ihr bei mir dann wieder einen Blogpost zum Thema Nachhaltigkeit. Dabei wird es um Fragen gehen wie: Emissionsausgleich: Wie mache ich das? Was ist eigentlich Slow Food? Wie wird Tourismus umweltfreundlicher? Welche Tipps gibt es zu klimafreundlichem Reisen?

Ich freue mich sehr, wenn ihr dabeibleibt. Kommentiert gern zur Sache!
Eure Britta