Heute geht es einmal nicht um das Reisen, sondern um den ganz alltäglichen Ärger mit dem Plastikmüll. Seitdem wir – dank unserer Kinder – wieder verstärkt auf das Thema Klimaschutz schauen, endlich entdeckt haben, dass die Meere voller Plastikmüll sind und die EU zumindest in Bezug auf Einmalware ein erstes Verbot erlassen hat, hat wohl sich jede und jeder von uns schon gefragt, wie wir den Plastikmüll, den wir täglich produzieren, verringern können.

Noch einmal kurz zur Erinnerung: Wir Deutschen sind Europameister im Produzieren von Plastikmüll. Bisher hatte ich zumindest dabei kein großartig schlechtes Gewissen: Immerhin wanderte mein Müll in den gelben Sack, in der Erwartung, recycelt zu werden. Aber so leicht ist es dann doch nicht: Die Angaben, wie viel Prozent des von uns aussortierten Plastikmülls tatsächlich wiederverwendet werden, schwankt zwischen 20 und 50%. Und der Rest? Wird exportiert, verbrannt oder wandert auf die Müllkippe, wo er – genau: Eben nicht mal schnell verrottet. Ist ja Plastik. Dauert lange. Wenn überhaupt. Immerhin wird auch dieses Dilemma mittlerweile wieder angesprochen, es gibt Anreize für die Industrie, besser recycelbares Plastik zu verwenden – aber auch diese sind umstritten und zielen zumindest nicht ausreichend darauf ab, Plastikmüll zu vermeiden.

Aber wie machen wir das mit dem Vermeiden? Wo können wir ansetzen? Und ist das mit dem eigenen Alltag vereinbar?

Wer noch mehr Tipps sucht, schaut mal ganz am Ende auf den Link zu meiner aktuellen Lieblingsentdeckung!

Plastikmüll

Und jetzt noch schnell nen Kaffee!

Ich bin kein Frühstücker – als ich noch ins Büro gegangen bin, ging ich nüchtern aus dem Haus und trank erst im Auto den ersten Kaffee. Und im Büro angekommen, packte ich mein Frühstücksbrot aus und habe es gegessen, während ich meine Mails gecheckt habe. Mittags war es manchmal so hektisch, dass ich keine Zeit für eine lange Pause hatte, bei der ich in einem Restaurant oder einer Kantine etwas hätte essen können. Also bin ich schnell zum Supermarkt geflitzt und habe mir dort etwas geholt – praktisch, diese Salattheken. Wenn ich am Nachmittag die Müllberge neben mir gestapelt hätte, die ich an einem einfachen Bürotag produziert habe – ich wäre regelmäßig vor Scham im Boden versunken: Der Kaffee to go: 1 Pappbecher plus Plastikdeckel und Plastik-Umrührstäbchen. Das Brötchen vom Bäcker: 1 Papier-/Plastiktüte plus Serviette. Der Salat aus der Supermarkttheke: Eine große Plastikschale plus Plastikgabel und Serviette, an manchen Tagen auch noch eine Plastikschale für Himbeeren. Krass!

Klar, das war nicht jeden Tag so. Mal habe ich den Kaffee im Mehrwegbecher von zuhause mitgenommen, das Brot selber geschmiert, keine Himbeeren genascht, die Gabel durch eine „echte“ ersetzt, aber die blöde Salat-Schale aus Plastik hatte ich immer, denn eine eigene Schale mitzubringen ist im Konzept des Supermarkts nicht vorgesehen – es wird erst an der Kasse gewogen. Ich hätte sie höchstens auswaschen und mehrfach benutzen können – warum ist mir das damals nicht eingefallen? Weil ich keine Zeit und keinen Sinn dafür hatte – schließlich war ich im Job und musste meine Arbeit erledigen, da bliebt kein Raum für all diese Dinge. So geht es vielen, aber vielleicht gibt es ja doch eine einzige Stellschraube, an der ihr drehen könnt und ein Teil weniger Müll am Tag produziert… ?

Plastikmüll

Strohhalm adé!

Wer kennt das nicht? Am Wochenende ein Ausflug ins Grüne, die Kids spielen, und nach dem langen Spaziergang sind alle durstig und wir kehren ein in das nette Café, in dem man so lauschig unter Bäumen im Grünen sitzt. Die Kinder bestellen den Lieblingssaft – und kriegen einen Strohhalm ins Glas oder Mini-Fläschchen. So geschehen gestern im Brandenburgischen, als ich mit den Kids dem Berliner 1.-Mai-Wahnsinn entflohen bin.

Nächste Situation: Wir sind über Ostern in ein kleines Städtchen im Westen der Republik gefahren – und dort auf eine organisierte Feier geraten, wo ebenfalls Getränke ausgeschenkt wurden. Der Drink kam – mit Strohhalm.

Warum gibt es das immer noch? Ist nicht allen mittlerweile klar, dass Strohhalme etwas sind, auf die wir locker verzichten können? Der Saft und der Aperol Spritz schmecken auch ohne Plastikhalm – also, ganz einfach: Auf den Strohhalm verzichten und die Bedienung drauf hinweisen: Mache ich mittlerweile immer öfter und mache freundlich darauf aufmerksam, dass ein Strohhalm ja nun echt nicht mehr sein muss. Ab 2021 sind sie ohnehin verboten – dann kann man es auch jetzt schon lassen.

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Die eingeschweißte Gurke!

Anhand der Gurke im Plastikkleid wurde das Dilemma der Obst- und Gemüsebranche offensichtlich: Es erschien so widersinnig, dass ausgerechnet die BIOgurke in Plastik eingeschweißt werden muss, dass sich zumindest an der Front bereits etwas verändert hat. Aber die Debatte darum hat den Blick auf Transportwege noch einmal geschärft. Denn die grüne Frucht wurde ja nicht zum Spaß doppelt verpackt, sondern weil sie ansonsten mehr Schaden auf dem Transport nimmt – und dann die beschädigten Exemplare aussortiert und entsorgt werden müssen. Ein Dilemma für viele Produkte aus dem Segment: Wie schafft es ein Supermarkt, die Mengen an Waren anzubieten, ohne sie in Plastik zu kleiden und damit vor Schäden und Verschmutzung zu bewahren? Einfach mal im Bioladen nachfragen, würde ich sagen. Dort liegt Obst und Gemüse auch unverpackt aus.

Auf dem Markt kaufen hilft auch – wenn man das schafft. Auf loses Obst und Gemüse im Supermarkt zurückgreifen. Viele verschiedene Sorten in eine Einwegplastiktüte stecken und die Preise auf die eine Tüte draufkleben. Mehrwegbeutel verwenden, sie liegen mittlerweile bei einigen Supermarktketten aus – leider kostenpflichtig. Und für die Gärtner unter euch: Selber anbauen! Ich habe leider keinen Garten, aber die Kräuter stehen bei mir in einem Minigewächshaus auf dem Balkon, so dass ich zumindest diese fiesen Miniportionen in Plastikschale plus Folie nicht mehr kaufen muss. Laut Spiegel sind bereits 63% der Obst- und Gemüseprodukte im Handel verpackt – da muss doch was dran zu ändern sein!

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Klick – und schon ist es auf dem Weg!

Schon Hegel wusste, dass auf eine These immer auch eine Antithese folgt – und dann der Kompromiss in der Synthese mündet. Bei unserem Müllthema ist die These: Wir wollen weniger Müll! Die Antithese: Ich bestell mal schnell im Internet – der Trend unserer Zeit! Wie die Synthese aussehen wird, ist noch offen. Fakt ist jedenfalls (wieder Quelle Spiegel), dass der größte Teil unserer Müllproduktion aus Verpackungsmüll besteht, der über den Versandhandel entsteht. Gut, Pappe hat eine tolle Recyclingquote. Aber trotzdem ist es ein Wahnsinn, was wir an Kartons und Pappumschlägen pro Monat in unseren Haushalten anhäufen. Was machen wir damit? Die wenigsten von uns können die Mengen an Pappkartons wiederverwenden. Soviel können wir gar nicht in den Keller räumen, so viele Papphäuser können unsere Kids gar nicht basteln. Also, weg damit in den Müll. Daraus werden wieder neue Verpackungen hergestellt – aber dafür muss erneut Energie aufgewandt werden. Ich selbst produziere ebenfalls mit meinem Shop einiges an Müll, aber der Prozentsatz an Büchern, die ich selbst versende, ist recht gering.

Für den Buchversand kann ich daher nur an euch plädieren: Kauft eure Bücher im Buchhandel! Selbst wenn der Buchhandel euer Lieblingsbuch nicht im Laden stehen hat und es über Nacht bestellt, wird das mitnichten in einem Pappkarton angeliefert. Der Buchhandel verfügt über die sogenannten Bücherwagendienste. Dort werden alle Bestellungen des Vortages gesammelt angeliefert: In Kisten, die ständig im Umlauf sind und damit wiederverwendet werden – sie haben eine lange Lebensdauer und erzeugen damit keinen Müll.

Sophia Hoffmann

Her mit den Tipps!

So, nun seid ihr alle ganz scharf auf die geballte Ladung Tipps, wie ihr noch mehr Plastik in eurem Alltag sparen könnt? Dann lege ich euch den Blog von Sophia Hoffmann ans Herz! Sie hat gerade das tolle Buch „Zero Waste Küche“ herausgebracht, das ich mir sofort gekauft habe und mir sehr gut gefällt. Denn es schaut nicht nur auf 100 Zutaten für die Küche und klopft sie nach ihrem Nachhaltigkeitswert ab, sie hat auch drum herum megatolle Tipps parat, die eure Küche auf jeden Fall um einiges umweltschützender machen. Mein persönliches Learning: Was man mit „müden“ Gemüsen machen kann, um sie nicht wegwerfen zu müssen. Super! Auch für mich als Nicht-Veganerin bzw. Nicht-Vegetarierin ein Must-have im Kochbuchsegment, denn: na klar hat sie auch jede Menge Rezepte im Buch!

Hier mein Artikel-Tipp: https://www.sophiahoffmann.com/zero-waste-tipps-fuer-die-kueche/