Abschluss der Serie Nachhaltiger Mittwoch – Ist Buch öko?

In unserer Serie haben wir uns oft an die eigene Nase gefasst: Wie können wir Flüge kompensieren, beim Tourismusanbieter auf Nachhaltigkeit achten, im Alltag klimafreundlicher handeln? Zum Schluss der Serie wollen wir einmal auf unser ureigenes Geschäft schauen: Das Buch. Die Gretchenfrage ist also: Sind Bücher öko?

Klar ist: Um ein Buch zu produzieren, geht eine Menge CO2 drauf. Das fängt dabei an, dass der Autor in unserem Fall zur Recherche Reisen unternimmt, ohne die ein Kinderreiseführer gar nicht geschrieben werden könnte. Der Lektor wird sicher einige Ausdrucke machen, um den Text einmal in Papierform vor sich zu sehen und die Buchproduktion selbst wird natürlich auch eine Menge Papier verschlingen und Maschinenleistung erfordern. Schlussendlich erzeugt der Versand an die Händler und Endkunden ebenfalls Umweltbelastungen. Ja, so läuft es und da gibt es nicht viel zu beschönigen.

Dennoch bin ich der Meinung, dass es ohne das Buch nicht geht. Ein Buch ist nämlich nicht nur ein Konsumprodukt. Es ist vielmehr ein Kulturerlebnis, etwas, das uns mehr gibt als die Wonne des bloßen Kaufs. Wir erleben durch das Lesen eines Buches Geschichte und Geschichten, erfahren Neues oder lassen uns in unseren Meinungen bestätigen, lachen und weinen, werden neugierig oder nachdenklich. Oder bewundern schlicht die Kunst des guten Textes oder der gelungen oder fantasievollen Illustration. Ein Buch bleibt uns nachhaltig im Kopf und im Herzen – oder hat uns zumindest kurzweilige Stunden beschert, die wir genossen haben.

Bücher

Dazu kommt: Das Buch ist kein Wegwerfartikel. Wer von uns kennt das nicht? Der Bücherschrank platzt aus allen Nähten, was kaum jemanden davon abhält, weitere Bücher zu kaufen. Und wehe, die Eltern oder Großeltern verkleinern die Wohnung oder sterben gar. Was passiert mit ihren Büchern? Wegwerfen? Auf keinen Fall! Es muss doch möglich sein, diese Schätze zu bewahren. Also wird geschoben und in zweite und dritte Reihe des Bücherregals gestellt – selbst wenn das Vorhaben, alle Neuankömmlinge zu lesen, schon nach kurzer Zeit in Vergessenheit gerät. Bücher zu entsorgen ist immer noch ein No-go.

Titel, die partout nun gar nicht mehr in den Schrank passen, können mittlerweile auch ganz gut als Second Hand Ware in den Umlauf gebracht werden. Plattformen wie Momox kaufen gebrauchte Bücher an. In Berlin holt der Berliner Büchertisch kistenweise Bücher ab, die dann je nach Zustand weiterverkauft, verschenkt oder anderweitig genutzt werden. Eine Freundin hat eine ganz besonders nette Variante erfunden: Sie stellt ausgelesene Bücher ins Treppenhaus für die Nachbarn. Mittlerweile machen auch die anderen Nachbarn mit – es ist eine kleine Buchbörse entstanden, die sich großer Beliebtheit erfreut. Aber auch in Nachbarschaftszentren gibt es häufig Bücherregale, in denen Bücher ausgetauscht werden.

Diese Konzepte zeigen: Bücher sind keine Waren, die man einfach entsorgt, wenn man sie „aufgebraucht“ hat. Sie bleiben bei uns oder werden sorgsam weitergereicht, sind also nachhaltig im besten Sinne. Denn warum legen wir so viel Wert auf Bücher? Weil wir mit ihnen etwas verbinden. Wir erinnern uns an die Lektüre, an eine besonders schöne Stelle, die uns im Gedächtnis geblieben ist oder an die Zeit, zu der wir es gelesen haben. Sie sind ein Teil unseres Lebens geworden und haben etwas mit uns gemacht. Das gibt man nicht einfach weg. Auch wenn der Schrank es uns nicht danken wird.