Weltwunderer

Reiseblogger und Pandemie oder: Was am Ende übrigbleibt

Noch ein Plausch mit Jenny von weltwunderer.de

Es ist doch komisch: Wir haben 2 Jahre lang kaum etwas unternehmen können, unser Radius beschränkte sich teilweise auf 15 Kilometer Umkreis (oder sogar nur auf die eigenen vier Wände), und kaum können wir wieder reisen, zieht es uns auch gleich wieder so richtig in die Ferne. Oder nicht? Jenny vom Blog weltwunderer.de hat dieses Phänomen jedenfalls an sich ausgemacht. Grund genug, uns bei einem kleinen Plausch zu fragen, was denn eine Fernreise von einer Reise durch Deutschland oder Europa unterscheidet.

Ganz einfach: das Abenteuer! Fernreisen sind eben doch das Unbekannte. Das Wissen, ganz weit weg von zuhause zu sein, etwas zu wagen. Vielleicht auch dieses Gefühl, frei zu sein, sich von den Bindungen zuhause gelöst zu haben und einfach mal abzutauchen, weg zu sein, nicht erreichbar. (Naja, nicht ganz, Instapost geht doch immer!) Dazu kommen natürlich noch die Augenscheinlichkeiten: andere Zeitzonen, fremde Vegetation, das Licht fällt anders, die Leute sprechen eine Sprache, die man nicht versteht, haben andere Gepflogenheiten, sind einfach anders drauf.

Und im Gegensatz dazu kennt man sich in Europa eben doch irgendwie aus. Und man kennt sich eben auch. Die gemeinsamen europäischen Wurzeln, die wir haben und die die Europäer auf so vielen Ebenen miteinander verbinden, spüren wir natürlich erst recht, wenn wir von einer Reise aus Südamerika beispielsweise in Madrid landen. Sofort fühlen wir uns daheim. Obwohl wir ja noch gar nicht angekommen sind. Oder doch? Europa ist eben doch viel mehr Heimat als man das manchmal so denkt.

Was Heimat noch alles ist und wie wenig sie davon kannte, hat sicher nicht nur Weltwunderer-Jenny in den letzten beiden Jahren gemerkt. Und damit meinen wir nun tatsächlich die 15 Kilometer Radius, auf die wir eine Zeit lang beschränkt waren. Wie geht eine Reisebloggerin damit um, deren Lieblingssujet jahrelang Neuseeland war? Ganz klar, sie schreibt Reiseführer über ihre Heimat. Um ehrlich zu sein, hatte Jenny damit schon lange vor Corona begonnen. Pünktlich zur ersten ausgefallenen Leipziger Buchmesse 2020 erschien ihr Buch „111 Orte für Kinder in Dresden die man gesehen haben muss“. 2021 kam dann noch „Dresden – HeimatMomente. 55 Mikroabenteuer zum Entdecken und Genießen“ dazu.

Wow, gleich 2 Dresden-Bücher! „Ja“, meint Jenny, „ich malträtiere meine Familie auch sehr mit meinem Allroundwissen über die Stadt. Keiner will mehr mit mir spazieren gehen!“ Tja, so ist das wohl, wenn eine viel weiß und es gern erzählt. Ich würde mich sofort anbieten für den nächsten Spaziergang, aber leider ist’s dann doch ein Eckchen von Berlin bis Dresden.

Und wie geht’s weiter mit dem Reisen? Und mit dem Blog? Tja, Jenny ist der Meinung, dass wir schnell wieder so reisen werden wie in 2019. Klimatechnisch ist das natürlich nicht erstrebenswert. Doch die großen Umbrüche in der Reiseindustrie sind bisher ausgeblieben. Alle müssen vermutlich erst einmal wieder auf die Füße kommen. Zu hoffen bleibt, auch für Jenny, dass sich dennoch etwas ändert: Dass zum Beispiel eine Zugreise mit Fähranschluss nach Mallorca aktuell genauso viel CO2 verursacht wie der Flug, oder die Nachtzüge für eine 5-köpfige Familie schlicht nicht bezahlbar sind, sind nur kleine Beispiele für das, was sich ändern muss. Bei Jenny und ihrer Familie ist jedenfalls viel Bereitschaft da, sich auf neue Reisemöglichkeiten einzulassen. Wir sind gespannt, welche neuen Ideen entwickelt werden zum nachhaltigeren Reisen.