Wir erzählen hier ja viel vom fröhlichen Reisen. Urlaube, Abenteuertrips, Wochenendausflüge. Sowas eben. Aber wenn man sich in den Zügen in Deutschland im Moment umschaut, stellt man schnell fest, dass diesertage nicht nur fröhlich gereist wird. Manche reisen auch, weil sie es müssen. Weil sie auf der Flucht sind vor dem Krieg in der Ukraine, ihr Land und ihre Stadt, ihre Wohnung und ihre Familie verlassen mussten. Aufbrechen in eine ungewisse Zukunft, ohne zu wissen, was morgen sein wird.

Ein winziges Stück des Wegs durfte ich sie begleiten, als Helferin. Dabei stellte ich fest, dass nur wenige von denen, deren Weg den meinen gekreuzt hat, so gar nicht wussten, wohin. Die meisten hatten einen Ort, zu dem sie wollten. Irgendwo in Deutschland. Oder irgendwo in Europa. Und das hat mir, bei all dem Schrecken, den wir ja nur mittelbar, die Flüchtlinge aber unmittelbar erleben, Hoffnung gemacht. Europa ist vernetzt.

Die Frage, ob die Ukraine zu Europa gehört, ist längst beantwortet. Schon längst spinnt sich ein Netz über unseren Kontinent. Ein Netz der Verbindungen, der Familien, der Freunde und Bekannten. Der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen. Der kulturellen Neugier und Verbundenheiten. Wir kennen einander. Wir haben da jemanden, zu dem wir reisen können, wenn es zuhause eng wird. Und dieser jemand lebt in Europa.

Und wenn wir darüber nachdenken, so ist das auch bei uns so, oder? Wo würdet ihr hingehen? Hättet ihr nicht auch jemanden, zu dem ihr flüchten könntet? Der euch einen Schlafplatz für eine Nacht anbieten, eine Wohnung vermitteln, ein wenig Sicherheit bieten würde? Ich glaube, wir alle spüren gerade Europa sehr nah, sehen, wie wir zusammengewachsen sind in den vergangenen Jahrzehnten. Ich persönlich spüre dafür eine große Dankbarkeit. Und verzweifle jeden Tag an meiner eigene Hilflosigkeit, diesen schrecklichen Krieg nicht beenden zu können, der nicht nur in Europa so viel Leid anrichtet, sondern auch noch zwei Völker spaltet, die sich so nah sind. Was für ein Verbrechen.