Griechenland

Warum Camping und warum auf den Peloponnes?

Auch wenn manche meiner Freundinnen schon x-mal in Griechenland waren, für mich war das Ganze Neuland. Aber sehr spannendes Neuland! Vor allem, weil ich außer knallweißerr Häuser umrankt von pinken Bougainvilleas, die bevorzugt auf einer Insel stehen und von die azurblauem Meer umplätschert werden, keinerlei konkrete Vorstellung von Griechenland hatte.

Die erste Entscheidung, die ansteht, ist ja: Reisen wir „zu Fuß“ an oder fliegen wir? Da ich unseren CO2-Abdruck verringern möchte und ohnehin nicht gern fliege, stand für uns schnell fest: Wir nehmen den Geländewagen mit Dachzelt. Zwar ist der auch nicht gerade umweltfreundlich, weil alt und die Fähre, die wir dann nutzen würden, auch ein ziemlicher Stinker, aber trotzdem kamen wir diesbezüglich besser weg.

Allerdings bestimmt ja das Ziel oft auch die Art der (An)Reise. Oder umgekehrt. Wer lieber fliegen will, kann mit ein wenig Transfer leicht auf eine der schönen Inseln reisen. Wer mit dem Camper und der Fähre unterwegs ist, tut sich damit schon schwerer. Die kleinen Inseln mit einem Campingmobil anzusteuern, ist sicher möglich, für uns stellte es sich allerdings als zu mühselig dar. Und da ich ja ohnehin noch nichts vom Land gesehen hatte und die letzte Reise des Gatten auch schon sehr lange zurücklag, hatten wir die freie Auswahl.

Die Anreise

Zur Diskussion standen die „Finger“ des Festlands oder die Peloponnes. Wir haben uns für die Peloponnes entschieden. Die Gründe waren einerseits, dass wir damit eine einfache Fähranreise hatten. Man kann von Venedig, Ancona und Bari direkt bis nach Patras auf den Peloponnes übersetzen oder auch von Kroatien aus anreisen. Natürlich könnte man auch weiter oben, in Igoumenitsa, aussteigen und von dort aus weiterfahren.

Wir hatten entschieden, möglichst wenig im Auto zu sitzen, daher sind wir lediglich bis Venedig gefahren und haben von dort aus in 36 Stunden mit der Fähre übergesetzt. Die Überfahrt war herrlich. Mildes Wetter, ruhige See, sogar Delphine haben wir von Weitem springen sehen. Wir hatten eine Kabine gemietet, die man aber nicht unbedingt benötigt, wenn man während der Überfahrt im Camper sein möchte. Mit Kindern war mir das allerdings zu eng, die Autos stehen sehr dicht.

Tipp:

Der Campingplatz Fusina liegt direkt gegenüber vom Fährhafen und ist damit der perfekte Übernachtungsplatz, um am nächsten Morgen auf die Fähre zu steigen. Auch bietet sich an, ein oder zwei Nächte länger einzuplanen und Venedig einen Besuch abzustatten. Man meint, die Lichter des Markusplatz glitzern zu sehen, wenn man an der Küste steht und rüberschaut. Tatsächlich ist es aber die vorgelagerte Insel. Dennoch: Mit dem Boot ist man in 20 Minuten im Stadtzentrum.

Achtung:

Schaut auf die Ankunftszeit in Patras. Wer spät anreist, sollte sich überlegen, schon einmal einen Campingplatz zu reservieren, um nicht nachts suchen zu müssen. Wir sind mit dem Campingplatz Aginara gestartet, der eine Dreiviertelstunde Fahrt vom Hafen entfernt liegt. Hier gab es um die Uhrzeit, zu der wir ankamen, keinen Check-in mehr, es war aber in Ordnung, sich erst einmal hinzustellen und sich am nächsten Morgen anzumelden.

So, und dann waren wir schon mittendrin!

Die Route im Groben:

Statt der detaillierten Route findet ihr nun unsere Highlights, erwähnenswerte Campingplätze und natürlich ein paar Tipps. Zur Route nur so viel: Wir sind die Westküste runtergefahren, haben in Olympia und Dimitsana vorbeigeschaut, sind dann weiter bis zum ersten „Finger“ der Halbinsel und von dort straight hoch bis Nauplion. Dann haben wir uns ein wenig im Norden vergnügt, haben Epidauros und Korinth angesehen und sind dann noch einmal zur Westküste, um dort zu relaxen. Von da aus noch Kalavryta und dann zur Fähre nach Patras. All diese Punkte findet ihr en detail im nachfolgenden Text.

Die Highlights:

Olympia war ein Must-See für uns. Die alten Tempelanlagen und Sportstätten sind beeindruckend, wir sind einen ganzen Vormittag hindurchgewandert und haben uns vorgestellt, wie die Anlage damals aussah. Wer im Sommer dort ist, sollte gleich morgens starten, es wird sehr heiß und nicht überall stehen schattenspendende Bäume. Ein Hut ist auf jeden Fall zu empfehlen. Kinder haben freien Eintritt.

Die Kloster von Dimitsana sollte man nicht verpassen. Allein, wie sie am Berg kleben, ist so faszinierend, dass sich der Aufstieg lohnt. Dimitsana ist ein kleines Dorf in den Bergen. Die Anfahrt von Olympia aus ist recht kurvig. Wir haben uns zunächst ein Mittagessen gegönnt, bevor wir zu dem Punkt gefahren sind, von dem aus man zu dem Kloster wandern kann. Hier in den Bergen ist die Hitze nicht ganz so arg. Das Kloster wurde direkt an den Berg gebaut und beherbergt mal mehr, mal weniger Mönche. Es gab wohl Zeiten, da waren sie nur zu dritt! Mittlerweile dürfen auch Frauen das Kloster besichtigen. Nicht nur die Architektur und die Innenräume haben uns fasziniert, auch die Vorstellung, hier völlig fern von allem bei Wind und Wetter und vermutlich unter vielen Entbehrungen zu leben, ist sehr beeindruckend.

Die Ruinenstätte Mystras ist Weltkulturerbe und absolut sehenswert. Die alte Anlage liegt auf einem Hügel, zu dem man bequem mit dem Auto hinauffahren und ganz in der Nähe parken kann. Man läuft durch etwa 700 Jahre alte Ruinen, die jedoch sehr gut erhalten sind und genießt die Ruhe in der Hauptkirche, der Agios Dimitrios.

Nauplion/Nafplio ist absolut zu empfehlen, besonders wenn man wie wir einen Geburtstag zu feiern hat – nämlich meinen 😊. Das romantische Städtchen lockt mit gepflasterten Straßen zwischen alten Häusern, auf denen die kleinen Holztische zum Schmaus am Abend einladen. Der Hafen hat einige Cafés für den Absacker (oder den Aperitif) zu bieten und wer am nächsten Tag noch eine kleine Runde dreht und einmal ein wenig aufwärts läuft, findet die schönsten Gässchen der ganzen Halbinsel. Voll was für mich und Danke an Peter für den Tipp!

Epidauros! Muss ich noch mehr sagen? Außer vielleicht: Geht unbedingt hin. Auch mit Kindern. Es ist so beeindruckend. Dieses atemberaubende Amphitheater, in dem du auf jedem Platz exakt genauso gut hörst wie in der ersten Reihe, ist einen Besuch absolut wert. Und ja, die Stücke sind alle auf Griechisch. Und nein, das macht nichts. Ich packe glücklicherweise immer 1x schick für alle ein. Auch beim Campen. Und das braucht man dort auch, Cargohose mit Zipper gehen da gar nicht. Schließlich ist es ein berühmtes Theaterfestival, das hier jedes Jahr stattfindet und im Sommer moderne und klassische Stücke zur Aufführung bringt. Ein Once-in-a-lifetime-Moment!

Der Kanal von Korinth ist schon irgendwie schräg. Dieses steil abfallende, etwas über 6 Kilometer lange Kanal, ist auf Wasserhöhe lediglich 24 Meter breit. Den Fels hat man 84 Meter tief abgetragen. Immerhin haben sich die Schiffer so einen Umweg von circa 400 Kilometern erspart. Als wir dort waren, war der Kanal leider gesperrt – Bauarbeiten. Allerdings konnte man die Enttäuschung mit einem Bungee-Jump überwinden. Danke, ich habe verzichtet. Und ihr?

Wer Kalavryta besuchen möchte, kann von Diakopto an der Küste mit einer Zahnradbahn die 22 Kilometer hoch in die Berge fahren. Kalavryta ist ein hübsches Bergstädtchen mit einer sehr traurigen Geschichte, besonders für die Griechen und uns Deutsche. Hier hat die Wehrmacht im 2. Weltkrieg ein grauenhaftes Massaker verübt. Das Museum dazu findet ihr am zentralen Platz. Es ist sehr erhellend und modern gestaltet, auch die Mitarbeiter sind sehr freundlich. Ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte. Aber dennoch sehr sehenswert.

Die vielen alten Tempelanlagen stehen ja quasi an jeder Ecke herum. Wir haben alle angeschaut, die auf dem Weg lagen, wie beispielsweise die Tempelruinen des Menalaos, Nemea, die Reste des Artemis Tempel und viele mehr. Bei uns war die Familie diesbezüglich ein wenig gespalten: Während die Herren ein riesiges Interesse für die Tempelruinen aufbrachten, war das Interesse der Damen tatsächlich begrenzt. Daher haben wir uns bei den Besichtigungen immer aufgeteilt, so konnte jeder in seinem Tempo durch die Anlagen streifen oder sich einfach in den Schatten setzen, wenn er (oder besser sie) genug hatte.

Einige Campingplätze:

An der Westküste:

Der Campingplatz Ionion Beach bietet einen großen Pool, breiten Sandstrand und ein gutes Restaurant. Da wir recht früh in der Saison dort waren, gab es nur wenige Kinder. Unsere Kids mussten sich also den Pool mit ruhesuchenden, älteren Pärchen teilen – das hat nicht so wirklich funktioniert. Fun fact für Kids: Es gibt viele streunende Katzen, die sehr klein und sehr niedlich sind.

Auf dem westlichen „Finger“:

Auf „Thines Camping“ bei Finikounda gibt es wieder einen langen und breiten Sandstrand. Die Campsites sind wie Reihenhäuser angeordnet: eine Parzelle reiht sich streng geordnet an die andere. Es gibt ein kleines Café mit einem köstlichen Frappé und große Duschhäuser mit allem Comfort – sogar Wickeltisch und Babybadewanne. Außerdem kann man in einer guten halben Stunde zum nächsten Dörfchen wandern und dort herrlich bei Dionysos auf dem Strandstuhl abhängen, während die Kinder auf der aufgebauten Hüpfburg im seichten Wasser toben. Das ist natürlich nur entspannt, wenn die Kinder schon so alt sind und so gut schwimmen können, dass man nicht mehr danebenstehen muss. Ansonsten – viel Spaß! Hier könnt ihr auch schöne Feinkost und lokalen Schmuck kaufen.

In der Nähe von Patras gen Osten:

Camping Tsoli’s ist auf Terrassen gelegen und direkt an der Küste. Zum Baden ist es eher ungeeignet, denn das Meer ist hier sehr wild und man muss aufpassen, dass man nicht auf die Steine geschleudert wird. Mutige Jugendliche springen von einem Steg ins tosende Meer. Auch gibt es viele Surfer. Hier kann man eigentlich nur abhängen und ein bißchen so tun, als wäre man Mitte 20 und hätte keine Kinder – also eigentlich nicht wirklich ein Tipp für Familien. Allerdings ist es gut gelegen, um am nächsten Tag auf die Fähre zu gehen und man lernt nette Leute kennen.

Wild Campen:

In Griechenland darf man „wild campen“, das heißt, man kann sich auch an eine einsame Stelle am Strand oder in den Wald stellen. Natürlich gibt es einschlägige Apps, die diese Stellen ausweisen – was zur Folge hat, dass diese nicht mehr einsam sind. Also lasst euch besser darauf ein und erkundet die Insel selbst – das macht sowieso mehr Spaß. Immer mal wieder links und rechts den kleinen Weg rein, dann entdeckt ihr die einsamen und schönen Plätze. Wir haben das sehr viel gemacht, daher haben wir auch nicht so viele Tipps für Campsites. Wir standen unter einer alten Brücke an einem kleinen Gebirgsbach, auf einer Lichtung im Wald und an einem einsamen Strand. Eigentlich sind das die Momente, die uns als Familie immer am längsten in Erinnerung bleiben.

Unsere Reisetipps:

Die Supermärkte sind sehr gut sortiert. Sehr viel günstiger kauft man Gemüse, Honig und Olivenöl jedoch auf dem Markt. Nicht abschrecken lassen: Hier wird das Olivenöl oft in großen Plastikwasserflaschen verkauft. Das liegt auch daran, dass viele Familien ihren eigenen Olivenhain haben und das Öl, das über ihren eigenen Bedarf hinausgeht, verkaufen. Es ist meist köstlich und hält sich einige Wochen, wenn man es dunkel lagert. Bei uns war es jedoch schon nach kurzer Zeit aufgebraucht.

Eine Fahrt ins Landesinnere lohnt sich sehr. Wir haben die beiden östlichen Finger ausgelassen und sind von Finikounda über Koroni und Kalamata in Richtung Mystras gefahren. Natürlich gäbe es auch auf dem Stück, das wir ausgelassen haben, noch viel zu sehen. Aber obwohl wir 4 Wochen Zeit hatten, haben wir nicht alles geschafft, daher haben wir uns entschieden, einen Teil der Halbinsel auszulassen. Ein Grund mehr, um wiederzukommen!

Wer mit einem größeren Campingmobil unterwegs ist, sollte sich darauf einstellen, nicht durch jede kleine Dorfstraße zu passen. Wir hatten mit unserem Geländewagen kein Problem, obwohl auch hier schon mal Kurbeln zwischen parkenden Autos und dem Verkehr angesagt war. Manches Wohnmobil war allerdings hoffnungslos eingekeilt oder musste direkt umdrehen. Das kann ärgerlich werden, wenn man Pläne hat. Daher: Vielleicht die ganz kleinen Wege, auf denen ihr durch Dörfer kommen würdet, lieber meiden und die Hauptstraßen nutzen.

Das Essen in Griechenland ist ja mehr als kinderfreundlich. Es gibt immer Patates, die in Olivenöl frittierten Pommes, für Fleischesser Bifteki und für die Fischesser Calamari, dazu einen griechischen Salat, gebackenen Käse, Joghurt mit Honig – da ist für jedes noch so mäkelige Kind garantiert etwas dabei. Und für uns Erwachsene sowieso. Lecker! Den berühmt-berüchtigten „Gyros-Teller“, den man von so manchem griechischen Restaurant aus Deutschland kennt, habe ich übrigens auf keiner Speisekarte entdecken können. Dafür köstliche Moussaka, Jemitsa und natürlich Tzatziki.

Unser Fazit:

Die Peloponnes sind spitze! Die Halbinsel bietet sehr viel Abwechslung: Strand und Hitze, Berge und Kühle, Kultur und alte Ruinen, Kleine Städtchen und Shopping und viel Kulinarisches in allen Variationen. Eine Reise dorthin mit dem Camper und kleinen wie großen Kindern lohnt sich aus unserer Sicht total. Von wirklich schicken und gut ausgestatteten Campingplätzen bis zur einsamen Bucht, in der man frei stehen kann, ist alles dabei. Wir haben zwischendrin auch mal ein paar Tage im Hotel gewohnt, um Nauplion besser genießen zu können, was ich ebenfalls sehr empfehlen kann. Und sogar das Meer bietet Abwechslung, vom feinen Sandstrand über Steilküsten bis zum Kiesstrand ist alles dabei. Die Griechen sind durchweg freundlich und haben uns immer wieder mit tollen Geschichten über ihre Heimat überrascht. Auch die Ausgrabungen und Klöster waren faszinierend und kurzweilig. Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Unseren Griechenlandreiseführer für Kinder solltet ihr natürlich auch im Gepäck haben, wenn ihr auf die Halbinsel reist. Wetten, dass er auch euch Erwachsenen noch einiges Unbekanntes verraten kann?