NEAPEL - mehr Italien geht nicht

Zugegeben: Unser Neapel Trip fand OHNE Kinder statt. Aber vielleicht sucht ihr ja gerade genau so etwas. Und vieles geht sicher auch mit Kids, wenn man mehr Pausen einplant oder einiges weglässt.

Diese Reise hatte also eher den Charakter einer Bildungs-Schlemmer-in-Cafés-Rumhängen-Bootsfahrt-Reise. Was, und das vorneweg, fantastisch war. Aber warum ausgerechnet Neapel?

Schuld daran ist mein lieber Verlegerkollege Manuel, der völlig begeistert aus Süditalien wiederkam und mir von Neapel, Salerno und der Amalfiküste berichtete, so dass der Entschluss schnell gefasst war: Da muss ich auch hin. Insbesondere, weil ich südlich von Rom nie war. Und so ging es los, die Kinder waren anderweitig versorgt. Damit euch kein Tipp verborgen bleibt, habe ich Manuel gebeten, seine Empfehlungen ebenfalls beizusteuern. Somit kommt ihr in den Genuss von 2 unterschiedlichen Reiseberichten, was hoffentlich bereichert.

Der erste Eindruck

Der Flughafen Neapels liegt ja quasi mitten in der Stadt, so dass man ultraschnell in seiner Unterkunft ist, die sich ja in den meisten Fällen eher im Zentrum befindet. Nicht so bei uns: Wegen Sturm über Neapel musste unser Flieger in Rom landen. Und konnte dann auch nicht weiterfliegen. Ähm… kurz überlegt: Hey, wir sind in Rom, wie cool! Also haben wir uns dort ein Zimmer gesucht und den ersten Urlaubstag am Morgen mit einem Stadtbummel zum Kolosseum gestartet. Die Mittagshitze haben wir im klimatisierten Zug nach Neapel zugebracht.

Exkurs: Transport in Italien

Zugfahren kann in Italien übrigens sehr günstig sein. Es lohnt sich, an den Fahrkartenautomaten die verschiedenen Züge zu checken, es gibt immer einen, der um die Hälfte günstiger ist, aber meist nur unwesentlich länger braucht. Die Fahrt von Neapel nach Rom beispielsweise kostete für 2 Erwachsene 26 €. Natürlich kann man auch schneller unterwegs sein, aber 2:45 fanden wir für 200km nicht so schlecht, wir hatten ja Zeit. Auch Neapel-Salerno mit dem Zug oder Salerno-Amalfi mit dem Boot hat nur ein paar Euro gekostet.

Und dann sind wir endlich da!

Von Napoli Centrale kommt man mit der Metro sehr einfach zum Spanischen Viertel, falls da die Unterkunft liegt. Einfach bis Station Dante oder Montesanto fahren. Und dann steigt man aus und das erste, was man wahrnimmt, wenn man die schmalen Gassen der Altstadt betritt, ist tatsächlich, Achtung Klischee, der Geruch der Wäsche, die an den Balkonen hängt. Verrückt.

Und da sind wir schon mittendrin in dieser quirligen Stadt. Das erste, das wir getan haben, nachdem wir unsere Unterkunft bezogen hatten, war ein Getränk in einer kleinen Bar zu nehmen. An den Tischen zu sitzen und dem Treiben auf der Straße zuzuschauen, zu den beiden alten Damen am Nachbartisch zu schielen, die ständig Bekannte auf Mopeds grüßten, hier ein Schwätzchen, da ein lautes Hallo, Tourist:innen mit Reiseführern, verliebte Pärchen und italienische Familien, alles wuselte umeinander und machte einen Heidenlärm. Und wir saßen mittendrin, erholten uns von der Anreise und genossen es, nichts tun zu müssen und trotzdem ein sehr lebendiges Programm geboten zu bekommen.

Tja und so kann es eigentlich die kompletten 6 Tage weitergehen, die wir zur Verfügung hatten. Oder was meinst du, Manuel?

Stadtspaziergang einmal Neapel komplett bitte!

Manuel: Bei Espresso-Preisen zwischen 90,- Cent und 1,20 € empfehlen sich regelmäßige Pausen, um die vielen Gassen und Straßen zu durchlaufen. In zwei Tagen kann man sich sehr gut den Innenstadtbereich erschließen. Vom Fischmarkt über die Corso Umberto I, gesäumt von Einzelhandelsgeschäften, von denen man gar nicht mehr wusste, dass diese noch in Metropolen existieren können, zu den berühmten Kirchen, durch die Krippengasse und ständig hält man inne: Immer wieder staunt man über die nächste Gasse, Übergänge zwischen den Häusern aus dem Mittelalter und moderne Architektur, die sich wunderbar einfügt. Nackenschmerzen in der Galleria Umberto I. bekommen, weil man gar nicht mehr aufhören kann, die Dachkonstruktion zu bewundern, überall begegnen einem kleine Heiligenschreine und natürlich der neapolitanische Totenkult.

Leider kann man aktuell wegen Umbaumaßnahmen den berühmten Friedhof Fontanelle nicht besuchen und muss sich die aufgestapelten Schädel und Gebeine über Kinofilme und Plattencover ins Gedächtnis rufen. In kleinerem Rahmen kann der Kult in der Kirche Santa Maria delle Anime del Purgatorio betrachtet werden. Eine Schädelskulptur grüßt am Treppenaufgang.

Dann lassen wir uns durch die Krippengasse treiben, kleben mit der Nase an den Fenstern der Herrenausstatter in der Via Toledo und versuchen, uns auf einer der berühmtesten Straßen Neapels – der Via Chiaia – vorzustellen, wie hier früher ein Karren mit Esel den Verkehr blockierte. Eine Szene, die Alfred Sohn-Rethel eindringlich in einer seiner Neapel-Erzählungen vor 100 Jahren beschreibt. Heute stauen sich hier nur noch die Touristenströme. Und die Autos müssen draußen bleiben.

Teils verkehrsberuhigt geht es am imposanten Herrschaftssitz Palazzo Reale vorbei auf die Uferpromenade von Neapel – eine der schönsten Strecken der Stadt. Landeinwärts befinden sich die prachtvollsten Hotels und zur See hin das Castel dell’Ovo und der kleine Fischerhafen, von dem aus die Ware direkt in die kleinen Restaurants unterhalb der Burg gebracht wird. Nach fast zwei Kilometern steht man dann plötzlich im Stadtpark Villa Communale, in dem sich auch das älteste Aquarium Europas befindet.

Für das Mittendrin empfehle ich übrigens, vor dem Verkehr keine Angst zu haben: Beherzt auf den Zebrastreifen gehen und sich unbeeindruckt zeigen, wenn die Vespas durch die engen Gassen pesen. Die Neapolitaner:innen achten tatsächlich im Verkehr darauf, was die anderen machen. Dieser scheint zwar keinen Regeln zu folgen, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie reibungslos und friedlich alles funktioniert. Vor allem fehlt ihm jegliche Aggressivität und die Hupe wird ironisch oder warnend eingesetzt.

Fisch und Museum

Also auch für uns: Auf, auf, ein wenig Herumlaufen tut gut. Die ersten beiden Tage haben auch wir ausschließlich per pedes in dem wunderbaren Altstadtbezirk verbracht. Haben ein winziges Museum für Typografie entdeckt, einem Buchbinder und einem Geigenbauer beim Arbeiten in ihrer Werkstadt zugeschaut, sind den Mopeds aus dem Weg gesprungen und haben frittierte Meeresfrüchte bei der Pesceria am Metrobahnhof Montesanto gefuttert (Tüte auf die Hand 7€, das Peroni dazu 1€).

Auf Museumsbesuche hatten wir keine Lust, aber du, Manuel. Wo warst du, was kannst du empfehlen?

Manuel: Um die Museen Neapels zu bewältigen, braucht man für die wichtigsten Orte mindestens eine Woche extra Urlaub – dazu gehören das Archäologische Nationalsmuseum, in der man die Alexanderschlacht ebenso wie bekannte Monumentsskulpturen bestaunen kann, oder das Museum der Gegenwartskunst mit Werken von Warhol, Richter und Lichtenstein oder das Museo di Capodimonte im Schloss von Capodimonte – direkt am größten Stadtpark Neapels – mit einer schier unendlichen Sammlung von Werken von Botticelli, Michelangelo und Carravaggio.

Besonders faszinierend finde ich die Sakralbauten in Neapel. Einen Besuch sollte man der üppig ausgestatteten Kathedrale von Neapel abstatten. Dies offenbart sich aber erst beim Eintritt, denn der Bau ist direkt in der Nachbarschaft integriert und wirkt von außen unscheinbar. Neben den hier aufbewahrten Blutampullen des hl. Januarius befindet sich – über einen Zugang in der Basilika erreichbar – die Taufkapelle San Giovanni in Fonte – die älteste Taufkirche der westlichen Welt (4. Jhd.). Eine wahre Ruheoase inmitten der Stadt ist der Klosterkomplex Santa Chiara mit einem wunderbaren Kreuzgang mit farbig gefliesten Majolikaplatten und Orangenbäumen. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich die Gesù Nuovo, eine Jesuitenkirche, deren Fassade mit Diamantquadern versehen wurde. Innen erschlagen einen förmlich das Mittelschiff und die Deckenmalereien. Wer sich jetzt noch nicht sattsehen konnte, springt noch in die Sant’Anna dei Lombardi, um die Arbeiten von Vasari zu bestaunen.

Den Radius vergrößern

Wem dann doch die Füße wehtun kann einen Hop-On/Hop-Off-Bus nutzen. Für ein Ticket gibt es zwei verschiedene Touren. Die erste Tour ist die naheliegende: Man startet am Largo Castello am Hafen und fährt quasi einmal um die Altstadt herum.  Nebenbei gibt es viele Informationen zu den Museen und Kirchen, die passiert werden – ein bequemer Sightseeing-Trip.

Die zweite Tour im 24-Stunden-Ticket haben wir am nächsten Tag genutzt. Sie führt durch das Viertel Posillipo bis zum Parco Virgiliano. Dort sind wir ausgestiegen und hinunter zum Wasser gelaufen. Der Strand ist zwar nicht groß und der Einstieg ins Wasser über den felsigen Untergrund nicht gerade einfach, aber das Wasser war sehr erfrischend. Und dann über die riesigen Felsen zu balancieren und sich dort von der Sonne trocknen zu lassen ist durch und durch italienische Lebensart. Das Restaurant oberhalb des Strandes hat wohl guten Fisch, war uns aber zu posh. Wir haben uns lieber an der Bar ein paar Stufen weiter oben einen Spritz geholt, den Sonnenuntergang auf dem Mäuerchen genossen und dann den Linienbus oben an der Hauptstraße zurück zur Innenstadt genommen.

Restauranttipps:

Salvatore a Mergellina kurz vor der gleichnamigen Metrostation. Definitiv ein Abend mit Unterhaltungswert, großer italienischer Geste und leckeren Muschelgerichten. Aber Achtung: Wer es wagt, kalten Rotwein zu bestellen, wir harsch zurechtgewiesen. Tststs, diese Engländer…

Manuel, hast du auch einen Restauranttipp?

Manuel: Ein sehr kleiner Tipp ist das Bistro Éclair oberhalb des Stadtparks Villa Comunale – im wohlhabenderen Stadtteil Chiaia. Wie der Name vermuten lässt, gibt es eine große Éclair-Auswahl, aber auch Croissants und leckeres Gebäck, für das Neapel so berühmt ist. Die Bewohnerschaft gehört zum posheren Teil der Stadt und trifft sich hier auf einen Espresso oder Aperol Spritz. Ein wenig Sehen und Gesehen werden, aber alles mit dieser weltoffenen und toleranten Art, die man hierzulande so häufig vermisst. Vielleicht fühlten sich Adorno, Benjamin und Sohn-Rethel deshalb wohl: In all dem Treiben, dem Wachsen der Stadt und seinen historischen Bauten blitzt immer noch eine selige, bürgerliche Welt durch, die andernorts verloren gegangen ist. Und so nebenbei habe ich dort einen der leckersten Espressi in der ganzen Stadt bekommen.

Auch wenn vielleicht alle nach den vielen Zeitungsberichten zur Pizzeria Laezza oder dank Michelin-Empfehlung zur Pizzeria Concettina ai Tre Santi pilgern, möchte ich ausdrücklich die kleinen Läden in den Nachbarschaften den Besucher:innen ans Herz legen. Dann zahlt man nicht 12,- – 15,- € für eine Pizza, sondern eben nur 5,- €, sie schmecken genauso lecker und vor allem taucht man in die Umgebung ein. Besonders schöne Erinnerungen habe ich an die Pizzerien außerhalb des historischen Stadtzentrums. Eintauchen und abtauschen in die Nachbarschaft und sich auf die kleinen Orte abseits der Menschenströme einlassen. Man kommt ins Gespräch, lernt die Menschen kennen und bekommt vielleicht ebenso mit, wenn der Wirt sich auf die Vespa schwingt, um jemand in der Nachbarschaft zu suchen, der die Zeche geprellt hat, während alle anderen Gäste mitfiebern.

Der Blick über Neapel

Zu Fuß kann man natürlich auch einen größeren Radius beschreiten: Entlang des Hafens und hinauf zum Castel Sant’Elmo. Hier waren wir allerdings nicht, aber Manuel!

Manuel: Wenn der Vesuv der Fixpunkt der Region ist, dann ist es das Castel Sant‘ Elmo für den Kern Neapels. Auf einer Anhöhe thront die alte Festung – heute auch Sitz der Biblioteca die Storia dell’Arte – samt dem Kloster Certosa di San Martino. Das Ensemble ist definitiv ein Wahrzeichen der Stadt.

Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, kann den Aufstieg über langgezogenen Treppen durch das Quartieri Spagnoli wagen. Dafür sollte man vom Hafen aus ca. 45 Minuten einplanen, in den Sommermonaten unbedingt etwas zu trinken mitnehmen und gut bei Puste sein. Der Blick und die Atmosphäre, die sich hier aber einem bieten, wiegen alle Strapazen auf. Stand man soeben noch in dichtem Gedränge und die Ohren dröhnten vom Lärm der Großstadt, befindet man sich nun über den Dächern der Metropole, überblickt fast alle Stadtviertel, den Golf und bewundert den Vesuv. Nun beginnt ein Ratespiel, welches Gebäude man entdeckt. Eine angenehme Brise und viel Grün im angrenzenden Villenviertel sorgen für eine Abkühlung, die man sich unten im Kessel so sehnlichst wünscht. Wer sich mit dem Panoramablick an einer Balustrade unterhalb der Festung nicht begnügen will, kann über einen Aufzug das begehbare Dach der Burg betreten und den atemberaubenden Ausblick genießen.

Für den Abstieg empfehle ich einen Spaziergang durch das Viertel Vomero in Richtung Chiaia hin zum Meer. Staunend steht man vor prächtigen, stark gesicherten Villen und Stadtpalais‘ – anhand der Autos, Gespräche und Kleidung der Bewohner:innen realisiert man schnell, dass der Kontrast zwischen dem Dreck, dem Lärm und natürlich auch der Armut der niedriggelegeneren Gebiete nicht größer seien könnte.

Für alle, die sich vielleicht eine oder beide Strecken zu Fuß sparen möchten, gibt es ein ganz besonderes Neapel-Highlight: Mit der Funicolare di Chiaia, der Standseilbahn, gelangt man auch auf die Anhöhe. Mit der Linie von der Station Morghen sind es nur fünf Minuten zu Fuß bis zur Festung. Wahlweise kann man auch mit der Funicolare Centrale von der Station Augusteo bis zur Piazza Fuga fahren und von dort aus zur Festung laufen (ca. zehn Minuten). Etwas weiter entfernt davon hält auch die U-Bahnlinie M1, so dass man von allen zentralen Stationen der Stadt (Dante, Duomo, Toledo…) nach Vomero gelangt.

Ausflüge von Neapel aus

Wer einmal kurz Aktivitäten in Neapel googelt wird schier erschlagen von der Fülle der Möglichkeiten. Was da nicht alles möglich ist: Stadtführungen durch die Katakomben der Stadt, Krimispaziergänge, Bootstouren und natürlich der Vesuv und Pompeji. Wir haben uns dafür entschieden, eine Tour selbst zu organisieren und einmal etwas zu buchen. Beides hat seinen Reiz und ist zu empfehlen.

Salerno auf eigene Faust – und dann noch ein Stück weiter

Von Salerno hatte mir Manuel ja schon vorgeschwärmt, deshalb wird Manuel davon weiter unten berichten. Wir sind mit dem Zug von Neapel aus losgefahren, 40 Minuten später waren wir da. Und dann sind wir direkt zum Hafen hinunter und mit dem Boot weiter nach Amalfi gebraust. Eine spontane Idee, die uns einen unbeschwerten Tag am Strand von Amalfi beschert hat.

Tipp für Amalfi: Einfach noch ein wenig an der Küste weiterlaufen. Die schönen und unaufgeregten Bars mit Strandbenutzung liegen am Ende der Straße.

Das eigentliche Highlight war mal wieder etwas völlig anderes, nämlich das Warten auf die Fähre zurück nach Salerno. Es war Wochenende, und wir hatten schon mitbekommen, dass die Fähren sehr voll sein würden. Deshalb gingen wir schon eine ganze Zeit vor Abfahrt zum Hafen hinunter. Und das war eine weise Entscheidung, denn der Kai füllte sich sehr bald.

Eine riesige Traube Menschen bevölkerte das schmale Stück, auf dem wir alle standen, eingeklemmt zwischen einem Gitterzaun und einer Mauer. Es war warm, es dauerte noch eine Weile, bis das Boot kommen würde und man sollte annehmen, dass nun die Gereiztheit zunehmen würde. Aber das genaue Gegenteil war der Fall. Die Leute schwatzten, machten Witzchen, schäkerten mit der Matrosin, einer weißhaarigen Grand Dame in kurzen Hosen, die genüsslich ein Eis verspeiste, während sie auf die nächste Fähre wartete, deren Tau sie am Poller vor ihren Füßen festmachen würde.

Diese Gelassenheit, gepaart mit gutgelaunter Freundlichkeit und dem gleichzeitigem Willen, selbst nicht zu kurz zu kommen, hat mich während unserer ganzen Reise sehr für die Süditaliener eingenommen. Denn als die Fähre dann kam, wurde schon ein wenig gedrängelt und man musste zusehen, dass man nicht stehenblieb am Kai und auf die nächste Fähre warten musste.

In Salerno bleiben

Von Salerno aus geht dann der Zug wieder nach Neapel. Aber es empfiehlt sich, 1 oder 2 Nächte in Salerno zu bleiben, warum, erzählt euch Manuel:

Manuel: Manchmal wirkt Salerno wie ein Miniatur-Neapel, nur wesentlich entschleunigter und vor allem macht der internationale Tourismus noch einen großen Bogen um die Stadt. Das Zentrum wartet ebenso mit verschlungenen Gassen, verwinkelten Treppchen und immer wieder kleinen Schreinen auf.

Bewegt man sich von der Promenade und den stattlichen Bauten am Lungomare – eine imposante Mischung aus Gründerzeitbauten und der Architektur des Faschismus – weg in Altstadt würde man nicht denken, dass in den 1980er noch die Einwohner:innen von Salerno diese mieden: Das Viertel war stark zerfallen und ein Problembezirk. Ein sanfter Wandel hat hier eingesetzt, anstatt die Bewohnerschaft mit klassischen Gentrifzierungsmaßnahmen zu vertreiben, gestaltete man die öffentlichen Räume, renovierte die Fassaden und ließ internationale Künstler die Wände gestalten.

Trotz dem Wandel schläft die Stadt aber bis zum Ende der Siesta und erwacht erst nach 17 Uhr langsam. Dann brummt es aber in den Gassen: Salerno ist für seine Kunst- und Partyszene bekannt. Ebenso gibt es hier eine erstarkende schwul, lesbische und queere Community, die den öffentlichen Raum erobert. Wer in der Altstadt nächtigt, sollte sich nicht darüber wundern, dass Oropax auf dem Nachtisch liegen: Die Stadt geht auch um vier Uhr noch nicht schlafen.

In Salerno entstand übrigens die älteste Universität Europas und von hieraus traten Medizin, Theologie, Recht und Philosophie einen Siegeszug im Mittelalter an. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Besuch des Giardino della Minerva: Der aus dem 16./17. Jahrhundert angelegte Terrassengarten befindet sich auf dem ursprünglich im 14. Jahrhundert gegründeten Heilkräutergarten, damals eng verknüpft mit der Arbeit der Universität und nach dem Ordnungsprinzip der Lehre der vier Elemente angelegt. Von der Terrasse aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und den Golf von Salerno. Ebenso sollte man unbedingt den Duomo San Matteo besuchen. Die riesige Kathedrale ist ein Musterbeispiel normannischer Romanik und in einem Seitenschiff befindet sich eine zugängliche, prachtvolle Krypta, in der die Gebeine von niemand Geringerem als dem Evangelisten Matthäus liegen.

Und falls Ihr Euch fragt, was die ganze Zeit so gut riecht: Das ist der Duft der Bergamotte, denn überall in der Stadt stehen kleine Sträucher und Bäume der Zitruspflanze.

Organisierte Bootstour nach Capri und weiter nach Pompeji

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt… diesen Ohrwurm werde ich seit unserer Neapelreise nicht mehr los. Und ich schiebe es gleich vorneweg: Die stille Romantik, die dem Lied innewohnt, hat nichts damit zu tun, was man heute auf Capri antrifft. Es ist voll, megatouristisch und ebenso teuer. Ich habe zum ersten Mal eine komplett organisierte Tour gemacht. Mein Fazit: In so kurzer Zeit so viel zu erleben ist selbstorganisiert nicht möglich. Ob es das alles braucht? Hm. Vermutlich nicht. Dennoch hier ein kurzer Erfahrungsbericht:

Wir haben die Tour bei Alberto über AirBnB gebucht, was sich als Glückstreffer erwies. Alberto war kompetent, witzig und wirkte sehr authentisch, es hat Spaß gemacht, mit ihm unterwegs zu sein.

Wir sind morgens um 8 am Castello gestartet. Dort ging die Fähre nach Capri. Die Überfahrt dauert etwas länger als 1 Stunde. Alberto hat uns schon vorher gebrieft, wir sollten möglichst schnell aus dem Schiff aussteigen, denn: wer zuerst kommt malt zuerst. In diesem Fall hieß das, wer zuerst einen der Minibusse besteigt, ist auch zuerst an der Blauen Grotte, deren Besichtigung auf dem Programm stand. Unsere Gruppe von etwa 15 Leuten war sofort am Start, und kurze Zeit später fanden wir uns in kleinen schaukelnden Booten wieder und wurden durch die Blaue Grotte gefahren, in der das faszinierende Lichtspiel der Sonne Namensgeber ist.

Nach kurzer Pause ging es weiter nach Anacapri, dort fuhren wir mit dem Sessellift zum Aussichtspunkt. Hier umwehten uns Wolkenfetzen, dazwischen glitzerte das Meer, ein schöner Ausblick. Das Mittagessen nahmen wir in Capri ein. Hier lohnt es sich, auf die Empfehlung Albertos einzugehen, das Restaurant war wirklich gut und nicht so überlaufen wie andere. Am Schluss konnten wir noch eine Bootstour um die Insel zubuchen, die sich absolut gelohnt hat und mit einem kleinen Ständchen des stimmgewaltigen Guides fand der Ausflug einen schönen Abschluss. Mit der Fähre ging es dann zurück nach Neapel.

Nun fehlt eigentlich nur noch der Vesuv – oder doch Pompeji? Manuel hat entschieden!

Manuel: Die Zeit wird knapp. Nun heißt es eine Entscheidung treffen. Entweder auf den Vesuv oder nach Pompeji. Als alter Römer-Fan fällt die Entscheidung auf Pompeji. Mit einer klappernden, aber umso charmanteren S-Bahn geht es an der Küste entlang, durch die Vororte und Schlafstädte der riesigen Metropolregion. Der Blick schwankt zwischen dem Vesuv, der immer zu sehen ist, dem Golf und seinem schillernden Blau aber auch der Umgebung, die klar signalisiert, dass hier eben nicht alles dolce vita ist.

Vom Bahnhof Scavi/Villa die Misteri sind es nur wenige Meter zum Haupteingangsbereich der Grabungsstelle. In dieser kann man samt Museum einen ganzen Tag verbringen! Im Sommer bitte unbedingt eine Kopfbedeckung mitbringen und regelmäßig die wenigen Schattenplätze auf dem Areal aufsuchen, denn man ist hier schonungslos der Sonne ausgeliefert – es gibt zum Glück Trinkwasserbrunnen. Hier kann man wirklich in die römische Welt, deren Baukunst, Luxus und soziale Verhältnisse eintauchen. Für die umliegenden Grabungsstätten kann man fast einen weiteren Tag einplanen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Herculaneum – auf halber Strecke zwischen den beiden Orten. Das Schöne: Hier verirren sich keine Schulklassen und nur ein Bruchteil der Besucher:inen her, aber gleichzeitig sind die Bauten besser erhalten. Aus Herculaneum stammt auch der berühmte karbonisierte Brotlaib und die Wissenschaftler:innen konnten Kichererbsen, Feigen und Walnüsse untersuchen. Auch Holzmöbel und Stützbalken blieben erhalten.

Mein Fazit:

Neapel ist eine laute und quirlige Stadt, nichts für Ruhesuchende. Wer Lust auf Leben um sich herum hat, ist hier genau richtig. Ausflüge und Touren machen die Reise abwechslungsreich, sie können für den großen und kleinen Geldbeutel gestaltet werden. Baden kann man rund um Neapel eher schlecht. Wenn man nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, dann noch weniger. Aber es gibt auch so genug zu tun. Das Essen ist fantastisch, die Pizza ein Traum, die Meeresfrüchte noch viel mehr und in Deutschland nun Espresso zu trinken eine echte Qual. Die Neapolitaner:innen, die in Restaurants, Cafés und Hotels arbeiten sind auch nach dem hundertsten Touristen mit der immergleichen Frage freundlich und zuvorkommend und haben immer ein nettes Wort oder einen kleinen Witz parat. Ich habe mir auf jeden Fall geschworen: Wenn ich das nächste Mal nach Italien komme, möchte ich mehr italienisch können, um all das zu verstehen, was sie sich so lautstark zurufen.

Wer schreibt?

Britta von World for kids

Manuel Lindinger

Manuel vom L&H Verlag