Nun wir also auch – Vimmerby. Ich habe mal nachgesehen: So nahezu jede Reisebloggerin, die über Familienreisen bloggt, hat etwas dazu geschrieben. Die meisten sind restlos begeistert, nur eine etwas kritischere, oder sagen wir, differenziertere Stimme habe ich gelesen.

Ich persönlich muss zugeben, dass ich echt lange überlegt habe, ob ich so viel Geld dafür ausgeben will, denn für uns vier sind es 140 Euro Eintritt, die man berappen muss. Da habe ich mich schon gefragt, ob es das wert ist. Ich selbst habe zwar früher die Pippi Langstrumpf Filme geliebt, über Michel gelacht und Karlson vom Dach eher etwas gruselig gefunden, aber die Kinder hatten nie sehr großes Interesse daran. Und ich fand auch beim Vorlesen meiner alten Helden, dass sie doch ganz schön aus der Zeit gefallen waren – insbesondere die Rolle von Pippi Langstrumpf und der damaligen Gesellschaft kam mir doch sehr konstruiert vor in der heutigen Zeit. Und ob die Kinder sie aus ihrer Zeit heraus begreifen und daher ihre besondere Rolle als Revoluzzerin erkennen würden, fand ich fraglich. Viele der Bücher von Astrid Lindgren kenne ich auch gar nicht – und unsere Kids eben auch nicht.

Das mag auch daran liegen, dass ich Bullerbü mehr oder weniger selbst hatte als Kind – ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, wir haben unsere Zeit viel draußen im Freien verbracht. Am Fluss oder am Waldrand spielen, mit dem Fahrrad durch die Gegend düsen oder einfach in den Gärten der Freunde oder im eigenen das Obst vom Baum futtern – das hatte ich auch alles. Daher ist für mich die Lindgren-Welt kein Sehnsuchtsort, sondern eher die schwedische Version von meiner eigenen Kindheit – minus ein paar Jahrzehnte, so viel muss dann doch gesagt sein.

Aber da nun wirklich JEDER, dem ich von unserem Vorhaben, nach Schweden zu fahren, erzählt habe, meinte: „Ihr müsst nach Vimmerby!“, sind wir also hin.

Mein Fazit: Vom künstlerischen Aspekt her, von der Sorgfalt und dem liebevollen Bemühen um die Darstellung der Lindgren-Welt heraus betrachtet, ist der Parkt wirklich wundervoll. So viele Details, so nah an den Büchern dran, so hübsch und ohne irgendeine Nachlässigkeit, das ist wirklich toll. Mein Mann als Architekt findet normalerweise jede lockere Schraube und abgeplatzte Farbe, dieses Mal nicht – ein kleines Wunder. Die Kinder haben an jeder Ecke etwas zum Staunen und Herausfinden gehabt, konnten ausprobieren, zuschauen, erleben. Dass die Theaterstücke, die es in den Bücherwelten anzusehen gibt, nur auf Schwedisch vorgeführt wurden, hat sie nicht sehr gestört.

Das Essen dort ist lecker, nirgends ein Stück Plastik, alles sehr gepflegt und sorgsam gestaltet. Es gibt überall Bänke, auf denen die Erwachsenen ruhen können, während die Kids sich durch die Welten spielen. Allerdings: Meine 9-jährige war glaube ich schon ziemlich an der oberen Altersgrenze.

Meiner Meinung nach ist der Park ein wirklich toller Erlebnisspielplatz plus Theaterstücke. Es ist toll, wie konsequent diese Lindgren-Welt nachgebaut wurde und wie entspannt dabei alles zugeht. Da ich unsicher bin, was ich hier an Fotos mit fremden Leuten drauf posten darf, und was nicht, seht ihr hier nur die Miniatur-Häuser, aber auf der Website des Parks gibt es genügend Auswahl an bunten Bildern.

Einen Aspekt möchte ich aber hier dennoch erwähnen, der mir während des Besuchs durch den Kopf gespukt ist: Wer seinen Kindern eine Lindgren-Welt zeigen möchte wie sie die Autorin selbst in ihrer Kindheit erlebt hat und sie in dem Lindgrenschen Sinne spielen und erfahren lassen möchte, nämlich frei, unbeschwert und in der Natur, der sollte lieber an den nächsten See fahren und dort im Zelt schlafen. Dort können sie im See schwimmen, schnitzen, durch den Wald stromern, Abenteuer erleben und frei sein. Das im Lindgren-Park zu suchen, stellt die ganze Sache auf den Kopf. Dort gibt es eine wirklich hübsche Kunstwelt. Um die Ecke ist die wirkliche Welt – und die ist mindestens ebenso aufregend.

Übrigens: Unsere Zeltnachbarn am Abend an dem kleinen See nahe Vimmerby haben es so gemacht: Sie haben die Orte abgeklappert, die hier in der Gegend Drehorte waren bzw. wo Astrid Lindgren aufgewachsen ist, sind nach Katthult gefahren, um sich dort Michels Haus anzuschauen und haben am nächsten Morgen noch das Lindgren-Museum besucht. Das kostet nur einen Bruchteil und ist sicher genauso spannend. Naja, das nächste Mal sind wir schlauer.