Tschechien

Tschechien kannte ich bisher nur in Einzelteilen: Prag habe ich schon zwei oder drei mal besucht und war immer begeistert. Und natürlich waren wir schon einmal im Elbsandsteingebirge wandern, das ist von Berlin aus ja nicht weit, und haben auch ein paar Tage in dem tschechischen Teil dieses mystischen Gebirges verbracht. Der Rest von Tschechien? Fehlanzeige. Wem das auch so geht, aber neugierig auf das Nachbarland ist und ein paar Tipps braucht, um loszufahren, ist hier richtig. Die Rundreise war die Recherche für meinen neuen Kinderreiseführer Tschechien for kids, der im nächsten Jahr erscheint – und das geht natürlich nur MIT Kids.

Die Reise hat uns von Karlovy Vary/Karlsbad über die Burg Karlstejn zu den Silberminen von Kutna Hora geführt, dann weiter ins Altvatergebirge. Von dort aus haben wir ein paar Tage in Olomouc verbracht, eine Studentenstadt im Osten Tschechiens, dann ging es weiter nach Brno/Brünn, dort haben wir die fantastischen Schlösser Lednice und Valtice besucht. Danach stand das Schokoladenmuseum in Tabor und die Fischereiregion um Trebon auf dem Programm, den sportlichen Abschluss bildete der Böhmerwald.

Neugierig geworden? Los geht’s!

Karlovy Vary = Karlsbad = heiße Quellen

und ganz viel Stuck.

Zunächst möchte ich noch ein paar Worte über die Anreise verlieren: Wir sind mit unserer Citroen DS gefahren, einem schönen alten und romantischen Auto von 1968. Wer mit schnellerem Gefährt unterwegs ist, braucht sicher keine 4,5 Stunden von Berlin nach Karlsbad. Aber wir haben uns Zeit gelassen und sind mittags eingekehrt. Ende März liegt in den Bergen noch Schnee, in Oberwiesenthal fuhren wir durch weiße Landschaft, wunderschön!

In Karlsbad war das Wetter völlig anders: Sonnige 15 Grad, der Stuck an den feinen Häusern strahlte uns entgegen. Und hier hat sich für mich wieder einmal bewahrheitet, was ich ja oft sage: Kinder brauchen nicht immer Spielplätze und Kindgerechtes, wenn sie auf Reisen sind. In Karlsbad wandeln auch Kinder durch die herausgeputzte Stadt und staunen über die herrschaftlichen Häuser und die schönen Gärten. Sie klettern die Stufen vom Berg hinunter zur Innenstadt, versuchen sich an den heißen Quellen (nicht ohne vorher eine dieser porzellanenen Schnabeltassen ausgesucht zu haben – eine reicht für alle und habt Bargeld dabei) und finden das mehr oder weniger lecker. Und wenn dann noch ein Eis oder eine Zuckerwatte rausspringt, waren unsere Kids happy und sind ebenso zufrieden wie die Erwachsenen im Schlenderschritt durch die Innenstadt flaniert.

Die Unterkunft

In Karlsbad gibt es alle Preisklassen. Wir haben uns für ein Hotel mit Schwimmbad entschieden. Da wir die nächsten Tage volles Programm hatten, wollten wir es ein wenig mondän angehen lassen – passend zum Umfeld. Das Bristol Palace war dafür gut geeignet. Einzig der Weg zum Schwimmbad war kurios: Offenbar nutzen das Schwimmbad mehrere Hotels, daher muss man durch sehr viele Gänge laufen, mit Aufzügen hoch und wieder runter fahren und sich zwischendurch immer wieder an Schautafeln vergewissern, ob man sich nicht doch komplett verlaufen hat. Wer Exit Room Spiele liebt, kommt also ganz auf seine Kosten.

Burg Karlstejn – eine der schönsten Burgen in Tschechien

Gleich nach dem Frühstück ging es für uns weiter nach Karlstejn. In Tschechien finden sich über 2000 Schlösser und Burgen, es ist also gar nicht so leicht, eine auszuwählen, die man besuchen möchte. Burg Karlstejn diente Karl IV als Erholungsort, er zog sich hierher zurück und widmete sich kreativen Arbeiten, um seiner Gicht vorzubeugen. Außerdem sammelte er Reliquien, die er hierher brachte. All das erfahrt ihr bei einer Führung durch die Burg. In Tschechien ist es häufig so, dass man historische Städten nur in Form einer Führung besichtigen kann. Diese werden in kurzen Abständen angeboten, es ist nicht unbedingt erforderlich, sie im Vornherein zu buchen. Auch sind sie nicht teuerer als bei uns ein normaler Eintritt zur Schlossbesichtigung. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn die Führer sind meist jung und sprechen sehr gutes Englisch, manchmal werden die Führungen auch auf deutsch angeboten. Auch den Kindern hat es gefallen. Achtung: In der Burg ist es kühl, also lieber eine Jacke dabei haben.

Kutna Hora – Siberstadt mit langer Tradition

Wer unsere Kinderreiseführer kennt, weiß, dass es in jedem Buch ein Kapitel „Nützliche Bäume und Pflanzen“ gibt. Verglichen mit einem Reiseführer für Erwachsene würde das dem Kapitel „Wirtschaft des Landes“ am nächsten kommen, ist also recht weit gefasst. Bei meiner Recherche vor der Reise bin ich darauf gestoßen, dass in Kutna Hora über lange Zeit Silber abgebaut wurde. Minenbesichtigungen, besonders untertage, sind meine Sache nicht, dafür liebt der Rest der Familie alle Formen von Höhlen und Stollen. Wir haben also für den nächsten Morgen eine Tour gebucht, ich habe sie mitgemacht und den Teil der Stollenbesichtigung einfach ausgelassen. Auch hier war die Führung durch die alte Mine ein voller Erfolg, die Kinder kamen strahlend wieder raus, alle mit weißen Kitteln und Helmen bewehrt und um eine tolle Erfahrung reicher. Auch hier war der Führer jung und engagiert, wir haben viel Neues erfahren.

Ich habe mir die Zeit des Wartens, in der die anderen im Stollen herumgekrochen sind, mit einem kleinen Kaffee gegenüber und einem Schwatz mit der sehr netten Wirtin unserer Pension vertrieben. Kutna Hora ist eine kleine Stadt, die aber von Touristen sehr stark frequentiert wird. Nicht nur europäische Besucher, sondern auch viele Schulklassen bevölkern das Silbermuseum, den Platz rund um den beeindruckenden gotischen Dom der Heiligen Barbara und die verwinkelten Gassen des wirklich sehr hübschen Städtchens. Wer Prag besucht und etwas mehr vom Land sehen will, kann hier eine Übernachtung einplanen und sich treiben lassen.

Die Unterkunft

Einfacher als in Karlsbad, aber mit einer sehr netten und aufmerksamen Wirtin: die Penzion U Hrádku. Klasse gelegen, das Silbermuseum ist nebenan, mitten in der Altstadt. Sehr schönes Frühstück, die Wirtin besteht darauf, mit uns ihr Deutsch zu üben. Sehr sympathisch!

Eine Tschechien Rundreise ohne Gebirge? Geht nicht!

Ein Blick auf die Karte zeigt schnell: Tschechien ist umrahmt von Gebirgen. Es liegt also nahe, bei einer Rundreise auch einmal in die luftigen Höhen zu steigen und ein bißchen wandern zu gehen. Wir haben uns für das Altvatergebirge entschieden, da es auf unserer Route der nächste logische Punkt war. Und nach den Städten und Burgen ist ein wenig Natur genau das Richtige. Mir war jedoch bei der Planung nicht ganz klar, dass es sich bei Karlova Studanka, früher Karlsbrunn und noch früher Hinnewieder um ein Ausflugsziel handelt, das schon zu Zeiten Österrich-Ungarns errichtet wurde und eigentlich auch immer noch genauso erhalten geblieben ist. Der Kurort besteht zum Großteil aus den alten Gebäuden des beginnenden 19. Jahrhunderts, die ihm einen wunderbar altmodischen Charme verleihen. Warum ausgerechnet hier diese Pracht erbaut wurde, hat einen typisch tschechischen Grund: Es wurden warme Quellen gefunden.

Wer hier nächtigt, kann nicht nur die hiesigen Restaurants und köstlichen Leckereien des Cafés am Platze genießen, sondern auch durch das schöne Altvatergebirge wandern. Es gibt viele Touren, entweder ihr schaut auf den Karten nach, lasst euch etwas empfehlen oder werft einen Blick auf Komot.

Die Unterkunft:

Kann ich leider nicht hundertprozentig empfehlen, wir haben im Hotel Dzban gewohnt. Zwar gibt es hier Badezuber und ein kleines Schwimmbad mit Sauna, was sehr schön war. Das Hotel selbst hat jedoch aus allen Poren nach Frittiertem gerochen. Bei der Ankuft haben wir es noch auf die Abendessen-Uhrzeit geschoben, zum Frühstück war es dann nicht mehr so lecker und hielt auch bis zum Tag darauf an. Für mich leider ein No-Go, obwohl ich eher nicht so pingelig bin. Vielleicht schaut ihr selbst noch mal oder lasst es drauf ankommen, wir hatten vielleicht auch einfach Pech.

Echter Geheimtipp: Fahrt unbedingt nach Olomouc!

Nur etwa eine Stunde den Berg wieder hinunter, und ihr kommt nach Olomouc. Diese Stadt ist mein absolutes Tschechien-Highlight. Sie hat aus meiner Sicht alles, was eine schöne Stadt im Urlaub braucht: Hübsche Plätze zum Sitzen und Leute gucken, Museen und Galerien für die Kunstseele, tolle Restaurants und witzige Cafés, studentische Bars und Clubs, einen Markt für die Kinder und einen wunderbaren Park entlang der alten Stadtmauer, durch den auch noch ein Flüsschen plätschert. Ein sehr schöner Ort um ein wenig zu rasten und sich von den „Strapazen“ der bisherigen Rundreise zu erholen. Hier kann jeder machen was er will und kommt so auf seine Kosten. Leider hatte das Oldtimer-Museum geschlossen, das war schade.

Die Unterkunft:

Meine Mega-Empfehlung: Miss Sophie’s, Café und Hotel. So liebevoll eingerichtet, geschmackvoll und an alles gedacht. Mitten in der Stadt, alles kann zu Fuss unternommen werden. Und wer mag, hängt im süßen Café rum und schlägt sich den Bauch mit leckeren Kuchen oder Hot Dogs voll. Das Frühstück ist eine Wucht, ich könnte immer so weiter schwärmen. Ach ja, eins noch: Die Mitarbeiter:innen sind superfreundlich. Braucht es noch irgendetwas, um sich rundum wohl zu fühlen? Nein, ich glaube nicht. Wir sind nur sehr widerwillig wieder abgereist.

Die südliche Runde: Weiter nach Brno /Brünn

Um ehrlich zu sein, fand ich Brünn nach den schönen Tagen in Olomouc nicht mehr so spannend. Im Gegensatz zum nördlichen Nachbarn hat sich mir die Stadt nur schlecht erschlossen und ich habe die Innenstadt als sehr gleichförmig zu vielen anderen europäischen Städten empfunden: Die üblichen Ketten für Kleidung und Cafés, dazwischen bergeweise Wolt- und Boltfahrer, irgendwie recht austauschbar. Ich kann zu Brno /Brünn selbst also gar nicht viel sagen.

Was allerdings der Knaller für Kinder in Brünn ist, ist der VIDA Vergnügungspark. Dieser ist eigentlich eher ein Science-Park, in dem Kinder haufenweise Experimente zum Thema Klima, Mechanik, Elektronik, Magnetismus uvm. ausprobieren können. Modern, häufig mit englischen und deutschen Erklärungen, vieles selbsterklärend, unbedingt zu empfehlen. Von diesen Attraktionen gibt es viele in Tschechien, unten dazu noch eine extra-Empfehlung.

Wir haben von hier aus Lednice und Valtice besucht, etwa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Das sind zwei hübsche Schlösser mit weiten Parkanlagen, besonders den Park von Lednice haben wir uns ausgiebig angesehen. Hier kann man eine Bootsfahrt über den kleinen Kanal machen und lange Spaziergänge in der Sonne genießen.

Die Unterkunft

Eine Art Hostel im Zentrum, das bei mir einen ambivalenten Eindruck hinterlassen hat: Das Internesto Brno. Das Familienzimmer sah im Netz gemütlicher aus als es in der Realität war, wenn zwei Personen gleichzeitig geduscht haben war kaum noch Wasser im Hahn und für nächtliche Jugendgruppen die neben mir Party machen bin ich definitiv zu alt. Dafür war das Frühstück super und der Preis ok, außerdem haben sie da ein ausgeklügeltes Farbkonzept, das dafür sorgt, dass man sein Zimmer auf jeden Fall findet.

Süßes in Tabor und Trebon

Wir sind eigentlich nur für das Schokoladen- und Marzipanmuseum nach Tabor gefahren. Wer so etwas schon kennt, wird vielleicht das kleine Museum nicht spektakulär genug finden. Ich hatte mir vorgesteltl, dass man dort auch mal probieren kann, ein wenig Einblick in die Produktion von Schokolade bekommt, aber das ist nun wirklich ein Museum. Dort werden echt süße Marzipan-Kunstwerke ausgestellt und die Geschichte der Schokolade erzählt – leider nur auf tschechisch, man versteht es aber trotzdem. Am Schluss kann man im Café dann doch noch die flüssige Pracht schlürfen.

Von dort aus sind es etwa 50 km bis Trebon. Hier wollte ich mir die Fischteiche anschauen, hier befindet sich schließlich die größte Fischzuchtregion Europas. Man kann sehr schön an den Teichen entlangwandern, mystisch am Morgen wenn Nebel aufsteigt. Das Städtchen ist ebenfalls sehr hübsch, allerdings sind die Restaurants innerhalb der Altstadt signifikant teurer als die der restlichen Reise – aber auch sehr gut.

Die Unterkunft

Wir haben in der Penzion Pohádka gewohnt, sehr zentral gelegen. Unten ist ein Café, in der es sehr gutes Frühstück gibt. Das Beste an der Penzion sind aber die Frauen, die dort arbeiten: Alle sind so wahnsinnig nett und aufmerksam, dass ich mich dort sehr wohl gefühlt habe. Danke für die Überraschung zum Frühstück: Das extra gebackene Olivenbrot – Hmmmm…..

Der Böhmerwald

Den Schluss unserer Reise bildet der Böhmerwald. Die Gegend ist genauso wie ich sie mir vorgestellt habe: Sanfte Berge, ruhige Farben, dunkle Wälder, alte Berghäuser, Stille. Zum Wandern können wir die Kids nur mit Engelszungen motivieren, aber als sie erst einmal draußen sind, kann sie nichts mehr aufhalten. Steine im Fluss flitschen lassen, durch den Wald rennen, Spechte beobachten, das geht alles wunderbar in dieser sagenumwobene Gegend. Nur zwei Nächte hier zu sein ist eigentlich zu kurz. Dafür gibt es zu viel zu sehen. Falls ihr herfahrt, überlegt, ob ihr noch ein wenig mehr Zeit einplanen könnt.

Die Unterkunft

Das Hotel Srni ist ein Sporthotel, das diesen Namen echt verdient. Man kann schwimmen und saunen, Tennis spielen, klettern, Fußball spielen, Basketball, was das Herz begehrt. Die Nutzung der Turnhalle, in der das alles stattfindet, ist allerdings nicht im Preis inbegriffen, nur das Schwimmbad mit Sauna ist frei. Sehr vernünftige Tennisschläger können ausgeliehen werden, also vergesst das Sportzeug nicht!

Tschechien

Fazit

Tschechien ist absolut eine Reise mit Kindern wert. Wem mein Bericht zu wenig „kinderfreundlich“ war, dem sei das Heft des tschechischen Tourismusbüros Urlaub mit Kindern in Tschechien ans Herz gelegt. Dort findet ihr 100 Adressen wirklich sehenswerter Kindervergnügungen, die sich lohnen. Der Tipp für das VIDA stammt bspw. von dort. Tschechien quillt förmlich über vor Vergnügungsparks, Zoos, wunderschön angelegten Parks und Freilichtmuseen. Wer es sportlich mag, sollte die Fahrräder mitnehmen. Auf vielen Wanderwegen und sogar in manchen großen Parks kann man wunderbar radeln, bspw. von Lednice nach Valtice. Und natürlich hat Tschechien auch noch eine ganze Reihe von Wintersportattraktionen zu bieten. Dazu aber mehr, wenn es wieder kälter wird. Jetzt freuen wir uns erst einmal auf den Sommer.

Noch beachtenswert: Seit 2021 gibt es eine Mautpflicht auf fast allen Autobahnen. Ihr könnt die Mautplakette online kaufen, also nicht vergessen – oder ihr kauft sie an einer der Tankstellen in Grenznähe.

Die beschriebene Rundreise hat uns knapp 2.000 km durch Tschechien geführt. Wir haben uns bemüht, möglichst viel Landstraße zu fahren, um viele Eindrücke zu sammeln. Dabei habe ich so viele schöne alte Häuser gesehen wie nie. Auch wenn das ein oder andere renovierungsbedürftig war, so überwiegt das Verhältnis alt zu neu ganz erheblich. Wunderschöne alte Villen, alte Höfe, beeindruckende Festungsanlagen und Herrschaftshäuser prägen jedes noch so kleine Dorf. Daneben sind die Parkanlagen durchweg gepflegt, so dass sich immer wieder wunderschöne Ansichten und Blickwinkel ergeben, wenn man durch die Dörfer und Städte fährt. Wirklich ein Genuss.

Zur Route selbst: Wer lieber etwas länger an einem Ort bleiben möchte, dem empfehle ich, Brünn und Tabor/Trebon auszulassen und direkt von Olomouc in den Böhmerwald zu fahren. Das ist zwar weit, aber dann kann man lieber im Böhmerwald einen längeren Aufenthalt einplanen. Jedoch gilt aus meiner Sicht: Tschechien ist so vielfältig und hat so viel zu bieten, dass man es ohnehin nicht schafft, alles in eine Reise zu packen. Lieber noch mal wiederkommen und ein neues Stück vornehmen, es lohnt sich auf jeden Fall!

Und wer etwas zu lesen braucht, bevor unser Tschechien for kids Kinderreiseführer herauskommt, schaut auf den Tipp unten. Alle anderen warten einfach bis Anfang 2023, dann könnt ihr „Tschechien for kids“ überall kaufen wo es Bücher gibt.

Wir freuen uns, wenn ihr eure eigenen Tschechien-Eindrücke mit uns teilt. Viel Spaß allen!