Tansania mit Kindern: Meine persönlichen Geheimtipps abseits von Safari und Strand
Wer hier eine Liste der beliebtesten Nationalparks wie Serengeti oder Ngorongoro erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Dieser Artikel richtet sich eher an Familien und Individualreisende, die Tansania einmal anders erleben möchten – abseits der klassischen Safari-Routen.
Wir waren insgesamt zwei Monate mit unseren Kindern in Kenia und Tansania unterwegs und hatten bereits viel Zeit am Meer verbracht. Deshalb wollten wir in Tansania bewusst andere Seiten des Landes entdecken: Berge, kleine Städte, lokale Unterkünfte und Orte, an denen wir dem echten Alltag etwas näherkommen konnten.
Wenn ihr also nach persönlichen Tansania-Geheimtipps sucht, die auch mit Kindern gut funktionieren, seid ihr hier genau richtig.
Warum sich Tansania auch ohne Safari lohnt
Viele verbinden Tansania automatisch mit Luxuslodges, Safari-Jeeps und Strandurlaub auf Sansibar. Natürlich ist das beeindruckend – aber das Land hat noch viel mehr zu bieten.
Gerade für Familien, die individuell reisen möchten, lohnt sich ein Blick abseits der typischen Touristenpfade. Uns haben vor allem die entspannte Atmosphäre in den Bergen, die freundlichen Begegnungen mit Einheimischen und die kleinen Unterkünfte gefallen, in denen man schnell ins Gespräch kommt.
Außerdem fanden wir es angenehm, zwischendurch Orte zu entdecken, an denen nicht alles auf internationalen Tourismus ausgelegt ist. Das machte unsere Reise persönlicher und oft auch deutlich günstiger.
Empfehlung Nummer 1: Die Usambaraberge entdecken
Warum wir die Usambaraberge geliebt haben
Nach längerer Zeit in der Hitze der Küste tat uns die frische Bergluft unglaublich gut. Genau deshalb gehören die Usambaraberge heute zu unseren absoluten Lieblingsorten in Tansania.
Tagsüber wird es zwar auch warm, aber das Klima ist deutlich angenehmer als am Meer. Nachts kann es sogar richtig kühl werden. Gerade mit Kindern fanden wir das sehr angenehm, weil man endlich einmal richtig durchatmen und schlafen konnte.
Falls ihr ebenfalls in die Berge reisen möchtet, solltet ihr unbedingt warme Kleidung dabeihaben. Wir waren froh über Pullis, Regenjacken, lange Hosen und feste Schuhe – besonders für Wanderungen.
Die bekanntesten Berge Tansanias sind natürlich der Kilimandscharo und der Mount Meru. Uns zog es allerdings in die deutlich ruhigeren Usambaraberge. Dort fanden wir genau die Mischung aus Natur, Ruhe und authentischem Reisen, die wir gesucht hatten.
Lushoto – perfekter Ausgangspunkt für Familien
Die kleine Stadt Lushoto eignet sich hervorragend als Basis für Ausflüge in die Region. Von hier aus könnt ihr Wanderungen unternehmen, kleine Dörfer besuchen oder weiter zum berühmten Mambo View Point fahren.
Praktisch zu wissen: Viele Navigationsgeräte zeigen noch die alte Straße an. Fragt deshalb vor Ort lieber nach der neuen Strecke – sie war bei unserem Besuch in sehr gutem Zustand.

Meine Lieblingsorte in den Usambarabergen
Irente Farm Lodge
Nicht zu verwechseln mit Irente View Point, einem poshen Hotel mit angeschlossenem View Point, für den man eine Gebühr zahlt und von Tour Guides belagert wird, die ein Geschäft wittern.
Irente Farm Lodge ist ein hübsches kleines Farmhouse mit Campingplatz, Dusche & WC im Makutti Hut und sehr netten Leuten. Zum Lunch isst man dicke Scheiben des frisch gebackenen Vollkornbrots mit Ziegenkäse und Papaya – ein Gedicht! Im kleinen Shop kann man sowohl das Brot als auch Käse erwerben.
Von der Farm aus kann man runter ins Dorf laufen, wenn man sich rechts hält, kommt man an einer Secondary School vorbei. Dort geradeaus weiter in den Wald hinein und den Berg hinauf zweigt irgendwann rechts ein kleiner Pfad ins Unterholz ab und führt euch zu einer bombastischen Aussicht über das Tal.

Muellers Mountain Lodge
Die Muellers sprechen seit langem kein Deutsch mehr; zu viele Generationen sind vergangen, seitdem sie auswanderten. Der Name ist aber erhalten geblieben.
Wir haben hier auch gecampt, man kann aber auch sehr schön in den Chalets wohnen oder sich im Haupthaus in einem Zimmer einmieten. Dort klackert lustig das lose Parkett, es gibt ein helles Restaurant und eine Art Bibliothek/Raucherzimmer und die Bücher im Regal sind wunderbar verstaubt und altmodisch.
Ob das Essen gut ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber eins ist es mit Sicherheit: Vielfältig, wie ein Spaziergang durch den Obst- und Gemüsegarten vermuten lässt. Hier wird alles angebaut, was das Herz begehrt; von italienischen Kräutern über Erdbeeren bis zu den hiesigen sauren Tomaten.
Für unsere Kinder waren allerdings die Chamäleons das absolute Highlight! Sie saßen überall im Garten und wechselten tatsächlich ihre Farbe, wenn man sie vorsichtig auf die Hand nahm.

Mambo View Point
Ja, es ist ein weiter Weg hinauf zu Hermanns Eco Lodge, aber ein lohnenswerter. Die schönste Aussicht hat man definitiv hier, es gibt das beste Essen und am Abend, wenn alle Gäste mit dem Gastgeber um den großen Tisch sitzen, entspinnen sich die nettesten Gespräche.
Der Holländer Hermann hat ein großartiges Team um sich versammelt und verfolgt ganz nebenbei unzählige Projekte in Mambo und Umgebung. Brunnen bauen, Schulen unterstützen, Straßen herrichten, dazu mit den hiesigen Lodgebetreibern gemeinsam dafür kämpfen, dass sich die Region entwickelt – man wünscht sich, er möge ewig leben.
Besonders spannend fanden wir die Ausflüge mit lokalen Guides. Wir wanderten durch kleine Dörfer, besuchten Schulen und liefen zu Wasserfällen in den Bergen.
Es gibt hier ein oder zwei Campingplätze, viel Comfort, Chalets unterschiedlicher Größe mit einer Mega-Aussicht und ganz viel Herzlichkeit – ein absoluter Geheimtipp!

Empfehlung Nummer 2: Kleine Städte statt Großstadtstress
Eigentlich meiden wir Städte auf unseren Afrika-Reisen eher. Mit vollgepacktem Auto unterwegs zu sein, macht größere Städte oft stressig.
In Tansania haben uns allerdings einige kleinere Orte positiv überrascht:
Lushoto
Ich habe es ja schon erwähnt, Lushoto ist die zentrale Stadt in den Bergen. Wenn man nicht in die Lodges fahren will, kann man gut in der Stadt bleiben und von dort Ausflüge unternehmen – oder einfach mal nix machen und dem Treiben auf der Straße zusehen, so wie wir.
Der beste Ort dafür ist das Tumaini Hostel. Es liegt an der Hauptstraße und ist eine kirchliche Einrichtung – kein Alkohol und keine Zigaretten, sorry! Dafür aber leckeres Essen, günstige Preise und saubere Zimmer, nur um das Wasser muss man sich manchmal kümmern. Eine kurze Anfrage beim Personal genügt aber meist, und aus der Dusche sprudelt es wieder in heiß und kalt.
Das Hostel liegt direkt an der Hauptstraße und hat eine entspannte Atmosphäre. Dort konnten wir frühstücken, Kaffee trinken und gleichzeitig das bunte Treiben beobachten.
Auch der Markt in Lushoto lohnt sich sehr. Allerdings solltet ihr damit rechnen, dass Touristen oft höhere Preise zahlen. Mit etwas Humor und Geduld lässt sich aber meist gut handeln.
Wer zwischendurch Lust auf Pizza oder Pasta bekommt, findet in Lushoto tatsächlich überraschend gute italienische Küche.

Tanga
Wer von Kenia über die Grenze fährt, kommt hier unweigerlich vorbei. Und ich muss sagen, ein Aufenthalt lohnt durchaus. An der Küste gibt es hübsche Unterkünfte, in der Innenstadt hat eine skandinavische Partnerstadt einen schönen Park angelegt und nebenan gibt es an mehreren Ständen leckere Snacks zu fairen Preisen – besonders der Fruit Platter ist absolut empfehlenswert! Ein Spaziergang durch das Städtchen lohnt sich ebenso.
Tanga eignet sich aus unserer Sicht perfekt für ein oder zwei ruhige Tage abseits der touristischen Hotspots.

Moshi und Arusha
Hierzu muss ich wohl nicht viel sagen, denn alle Touristen kommen hier ohnehin an. Mein Tipp ist aber: Geht raus und sucht euch irgendwo ein nettes kleines Restaurant, von dessen Outdoor-Tischen ihr dem Stadttreiben zuschauen könnt. Die Hideaways für die Touristen haben zwar die altbekannten Brownies, Latte Macchiatos und Pizzas, sind aber auch langweilig.

Empfehlung Nummer 3: Günstigere Alternativen zu den bekannten Nationalparks
Tansania ist teuer geworden
Viele Individualreisende sind überrascht, wie teuer Reisen in Tansania inzwischen geworden ist.
Natürlich kosten Nationalparks Geld – und die Tierwelt dort ist einzigartig. Trotzdem waren wir teilweise schockiert über die Preise für Unterkünfte, Restaurants und Safaris.
Gerade als Familie summieren sich die Kosten schnell.
Deshalb haben wir bewusst nach günstigeren Alternativen gesucht. Dabei haben wir oft in einfachen, lokal geführten Unterkünften übernachtet und kleine Parks besucht, die deutlich weniger bekannt sind.
Das hatte für uns sogar Vorteile: Wir kamen leichter mit Menschen ins Gespräch und erlebten viele Orte deutlich authentischer.
Mehr Tipps zu diesem Thema findet ihr hier.
Mkomazi Nationalpark – unser Geheimtipp
Der Mkomazi Nationalpark liegt auf dem Weg von den Usambarabergen Richtung Moshi oder Arusha und wird von vielen Reisenden einfach übergangen.
Dabei hatten wir dort eines unserer beeindruckendsten Tiererlebnisse überhaupt.
Noch nie zuvor hatten wir so viele Giraffen gleichzeitig gesehen. Besonders rund um den Damm im linken Teil des Parks standen riesige Gruppen der Tiere.
Außerdem gefielen uns die ruhigen Picknickplätze mit weitem Blick über die Landschaft.
Wer eine entspanntere und günstigere Safari-Alternative sucht, sollte den Mkomazi Nationalpark unbedingt in Betracht ziehen.

Gibbs Farm – Luxus erleben, ohne dort zu übernachten
In der Nähe des Ngorongoro-Kraters entdeckten wir einen Trick, den wir mittlerweile häufiger anwenden.
Viele Luxuslodges bieten Aktivitäten oder Führungen für Tagesgäste an. Dadurch kann man wunderschöne Orte erleben, ohne die teuren Übernachtungspreise zahlen zu müssen.
Bei der Gibbs Farm machten wir eine Führung über das Gelände und tranken anschließend Kaffee im Garten.
Die Farm arbeitet ökologisch und produziert viele Lebensmittel selbst. Unsere Kinder fanden besonders die Tiere spannend.
Für uns war das die perfekte Mischung aus besonderem Erlebnis und bezahlbarer Reise.

Unsere Unterkunftstipps in Tansania
Raha Leo in Arusha
Das Raha Leo war einfach, herzlich und angenehm ruhig. Genau das brauchten wir nach langen Fahrtagen.
Peponi’s an der Küste bei Tanga
Peponi’s war für uns der perfekte Ort, um nach der Grenzüberquerung erst einmal anzukommen.
Man kann dort campen oder in kleinen Hütten übernachten. Besonders schön fanden wir die vielen gemütlichen Plätze zum Entspannen.

Reisen mit Kindern in Tansania – unsere Erfahrungen
Das Interessante ist eigentlich: Obwohl wir mit Kindern unterwegs waren, spielte das Reisen mit Kindern in Tansania oft gar keine große Rolle.
Kinder gehören dort ganz selbstverständlich zum Alltag. Genau deshalb wurden unsere Kinder überall unglaublich freundlich aufgenommen.
Oft kamen Menschen sofort mit uns ins Gespräch, fragten nach den Kindern oder winkten ihnen begeistert zu.
Gerade im südlichen Afrika haben wir das Reisen mit Kindern deshalb immer als besonders unkompliziert erlebt.
Mein Fazit: Tansania abseits der Touristenpfade lohnt sich
Wenn ihr Tansania individuell bereisen möchtet, lohnt es sich aus meiner Sicht absolut, auch weniger bekannte Orte einzuplanen.
Die Usambaraberge, kleine Städte wie Lushoto oder Tanga und ruhigere Nationalparks haben uns oft deutlich besser gefallen als die klassischen Highlights.
Vor allem als Familie haben wir die entspannte Atmosphäre, die herzlichen Begegnungen und das authentischere Reisen sehr geschätzt.
Natürlich gehören Safari und Strandurlaub zu Tansania dazu. Aber gerade die weniger bekannten Orte haben unsere Reise am Ende besonders gemacht.
Vielleicht ja auch eure.
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